Privatgymnasium soll die Rüdigerstraße 76 verlassen

Thomas Mosebach vom Verein "Die Kappe" protestierte zusammen mit der Rektorin Irina Lau und vielen Schülern gegen die Pläne des Bezirkes. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. In das Gebäude in der Rüdigerstraße 76 soll eine öffentliche Schule ziehen. Doch noch nutzt ein privates Gymnasium das Haus und möchte es auch nicht aufgeben.

"Wir bleiben hier", hieß es auf einem der Transparente: Am 11. Dezember demonstrierten Schüler, Lehrer und Mitglieder des Vereins "Die Kappe" bei der Bezirksverordnetenversammlung gegen den "Rausschmiss" aus ihrem Schulgebäude.

Sie finden das Vorgehen des Bezirksamtes "rücksichtslos". Der Mietvertrag für ihr Schulgebäude ist am 31. Dezember ausgelaufen. "Er wird nicht verlängert. Dann sind wir wohl jetzt Bildungs-Mietnomaden. Denn es gibt kein alternatives Schulgebäude, in das wir ziehen können", sagt Thomas Mosebach.

Er ist Vorstandsvorsitzender des Vereins "Die Kappe", der im Jahr 2010 das private Gymnasium, das sogenannten Kreativitätsgymnasium, eröffnet hat. Rund 80 Kinder und Jugendliche lernen hier mittlerweile bis zum staatlich anerkannten Abitur. Kleine Klassen, individuelles Lernen - für dieses alternative Bildungsangebot zahlen die Eltern der Schüler bis zu mehreren Hundert Euro Schulgeld im Monat. Das Konzept der Schule ist noch in der Entwicklung, die Schule selbst im Wachstum. Schüler, Eltern und Vereinsmitglieder haben viel Energie in die Entwicklung dieser Bildungsalternative gesteckt - auch deshalb sind jetzt viele von ihnen sauer.

Nachdem der Bezirk vor Jahren entschieden hatte, die einst am Standort befindliche öffentliche Schule aufgrund sinkender Schülerzahlen dichtzumachen, zog die Privatschule in das heruntergekommene Gebäude. Der Bezirk ersparte sich nicht nur einen Abriss, sondern vereinbarte auch mit der Privatschule, dass sie das marode Gebäude bei laufenden Betrieb nach und nach sanieren sollte. Aus öffentlichen Mitteln des Programms Stadtumbau Ost flossen allein im Jahr 2013 rund 500 000 Euro. Die Schule hegte die Hoffnung, auf Dauer bleiben zu können.

Jetzt habe sich die Situation in Lichtenberg geändert, sagt die Schulstadträtin Kerstin Beurich (SPD). Öffentliche Schulplätze würden immer knapper, neue Standorte müssten her. Jedes Schulgebäude im bezirklichen Immobilienbestand werde gebraucht. "Wir wünschen keinen Erbbaupachtvertrag mehr", erklärte die Stadträtin. Über einen solchen Vertrag mit einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten war der Bezirk bislang mit dem Träger im Gespräch gewesen. Das ist vorbei. "Wir wollen jetzt einen Übergang schaffen, damit das Kreativitätsgymnasium dem Gebäude entwachsen und eine öffentliche Schule hineinwachsen kann."

Schon jetzt böte das Haus gut 300 Schülern Platz. Würde es erweitert, könnten hier 520 Schüler unterrichtet werden. Wann eine öffentliche Schule einziehen soll, darüber wollte die Stadträtin keine Angaben machen. Klar sei jedoch, dass das Gebäude gebraucht werde. Im Gegensatz zur Privatschule sei die öffentliche Schule "jedem frei zugänglich", auch den finanziell schwachen Kindern und Jugendlichen.

Das Privatgymnasium muss jedoch nicht sofort ausziehen. Man verständigte sich darauf, im Gespräch zu bleiben und zusammen eine Lösung zu suchen.


Karolina Wrobel / KW
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