Schulstadträtin Kerstin Beurich (SPD) im Interview

Kerstin Beurich (SPD) ist für die Schulen im Bezirk verantwortlich. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Um die Schulpflicht im Bezirk zu sichern, müssen Hunderte neuer Grundschulplätze geschaffen werden. Über den Ausbau der Schulen in diesem und im kommenden Jahr sprach die Berliner-Woche-Reporterin Karolina Wrobel mit der Schulstadträtin Kerstin Beurich (SPD).

Immer mehr Familien ziehen nach Lichtenberg, die Geburtenzahlen steigen. Schon jetzt müssen mehr Grundschulplätze geschaffen werden. Wie konnte in diesem Jahr der Bedarf gedeckt werden?

Kerstin Beurich: Ich bin stolz darauf, dass wir gleich sechs neue Schulgebäude ans Netz nehmen konnten. Dazu zählen fünf Ergänzungsbauten, verteilt auf die Brodowin-Schule, die Karlshorster sowie die Richard-Wagner-Schule. Die Schule auf dem lichten Berg hat eine Filiale in der Siegfriedstraße bekommen. Eines der beiden Häuser am Doppelschulstandort in der Dolgenseestraße 60 ist mit der Sporthalle fertig geworden. Das Highlight ist jedoch der mit rund 20 Millionen Euro weitaus größte Neubau der letzten Jahre - die Nils-Holgersson-Schule im Fennpfuhl. Sie wurde für Kinder mit Förderbedarf in geistiger Entwicklung gebaut. Alle künftigen Schulanfänger bekommen selbstverständlich einen Platz an einer Lichtenberger Schule.

Bieten die Ergänzungsbauten auf Dauer eine Lösung? Undwie sieht es bei den Oberschulen aus?

Kerstin Beurich: Der Bedarf an Schulplätzen wird in den nächsten sechs Jahren zunehmen, auch bei den weiterführenden Schulen. Das Sonderbauprogramm des Senats für die Ergänzungsbauten ist unverzichtbar für uns, da das benötigte Geld keinesfalls aus eigener Kraft aufgebracht werden kann. Diese Bauten sind solide und werden mindestens 30 Jahre nutzbar sein. Allerdings haben wir für 2017 auch einen klassischen Erweiterungsbau für die Lew-Tolstoi-Schule vorgesehen. Für die Erweiterung oder Gründung weiterführender Schulen bereiten wir Maßnahmen vor.

Es gibt aber noch den beträchtlichen Sanierungsdruck bei den bestehenden Schulen. Wie wird dieses Problem angegangen?

Kerstin Beurich: Es besteht ein Sanierungsbedarf von 90 Millionen Euro. Dabei haben wir seit 2011 schon rund 55 Millionen Euro in unsere Schulen investiert, ein ordentlicher Brocken. Aber es kommen eben immer wieder neue Fälle hinzu. 2014 haben wir neben den Schulstandorten Siegfriedstraße und Dolgenseestraße auch die Sanierung des Herder-Gymnasiums und der Karlshorster Schule begonnen. Ebenso konnten auch drei Schulhöfe umgebaut und in einen tollen Zustand versetzt werden. Im kommenden Jahr stehen unter anderem das zweite Schulgebäude der Dolgenseestraße, das Herder-Gymnasium und die Hermann-Gmeiner-Schule auf dem Plan. Die Fassade der Schule am Rathaus wird saniert; die Robinson-Schule und Mildred-Harnack-Schule erhalten neue Fenster.

Teilen Sie den Eindruck der Eltern, dass die Schulen sauberer werden müssen?

Kerstin Beurich: Wir müssen die Reinigung intensivieren. Dabei ist zu unterscheiden, an welchen Stellen mehr gereinigt werden soll und wo dies bislang auf dem bisherigen Niveau ausreicht. Über allem steht natürlich die Erkenntnis, dass jede Ausweitung erhebliche Kosten verursacht. Der in Diskussion stehende Feuerwehrfonds von 100.000 Euro für besondere zusätzliche Reinigungsmaßnahmen wäre meiner Meinung nach eine gute kurzfristige Maßnahme. Mittelfristig braucht es jedoch schon allein wegen den zusätzlichen Schulbauten mehr Geld.

In Lichtenberg werden rund 2000 Flüchtlinge untergebracht. Viele davon sind Kinder, für alle ist Deutsch eine Fremdsprache. Was können Schulen und Bezirk tun?

Kerstin Beurich:
Wir eröffnen seit 2012 regelmäßig neue Lerngruppen an öffentlichen Schulen, in den vergangenen drei Jahren wurden etwa tausend Kinder und Jugendliche an Lichtenberger Schulen integriert. Die Aufnahme dieser Menschen in Not ist nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, es geht auch um die Überwindung sprachlicher Barrieren, um psychologische Begleitung, wo Kriegs- oder Verfolgungserfahrungen traumatisiert haben. Es geht um gesundheitliche Betreuung und natürlich das Bauen von Brücken in die Gesellschaft. Als Bezirk betrachten wir die Situation als humanitären Auftrag, dem wir gerne gerecht werden wollen. Ein großes Dankeschön an die vielen bereits jetzt hilfsbereiten Lichtenberger!


Karolina Wrobel / KW
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