Die Polizei schließt eine politische Motivation nicht aus

Die Spuren des Brandes sind noch deutlich an der Kirchentür zu sehen. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Unbekannte Täter haben in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober an der koptischen Kirche am Roedeliusplatz einen Brandanschlag verübt.

Eine Passantin hatte den Brand der Kirchentür gegen 6 Uhr morgens am 4. Oktober entdeckt und alarmierte die Feuerwehr. In der Kirche übernachtete zu dem Zeitpunkt ein 27-jähriger Flüchtling aus Ägypten, der von der Gemeinde zuvor aufgenommen wurde und als Messdiener hilft. Der Schlafende bemerkte den Brand offenbar zunächst nicht, da er durch die Polizei geweckt wurde und so unverletzt blieb. Die Feuerwehr löschte die Flammen an der Kirchentür. Die ersten Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die mutmaßlichen Täter zuerst eine Mülltonne angezündet hätten und diese dann vor die Kirchentür schoben. So griffen die Flammen schließlich auch auf die Tür über. Die Polizei ermittelt nun wegen "besonders schwerer Brandstiftung" und schließt eine politisch motivierte Tat nicht aus.

"Diese Tat ist ein Verbrechen gegen das friedliche Zusammenleben aller Berliner, unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis", verurteilte der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), den Anschlag. Die Brandstiftung löste vielfach Empörung aus. "In unserem Bezirk ist kein Platz für rassistische, ausländerfeindliche und diskriminierende Aktionen. Wir verurteilen jegliche Art von Angriffen auf Gotteshäuser, seien es christliche, jüdische, muslimische oder, wie in diesem Fall, koptisch-orthodoxe", sagt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Und auch die Bezirksvorsitzende der Partei Die Linke verurteilte die Tat. "Lichtenberg ist ein toleranter und weltoffener Bezirk. Wir werden nicht zulassen, dass durch Gewalt und Vandalismus einzelner Straftäter unser Klima der Toleranz und Vielfalt gestört wird", so Evrim Sommer.

Die koptisch-orthodoxe Kirchengemeinde nutzt die ehemalige evangelische Glaubenskirche am Roedeliusplatz seit 1996. Es ist die einzige Kirche in Berlin, in der koptisch-orthodoxe Christen Gottesdienste abhalten. Die Gemeinde leistet zudem einen Beitrag zur Integration von koptischen Flüchtlingen aus Ägypten. Erst Ende September veranstaltete die Gemeinde, die aus etwa 70 Familien besteht, in Zusammenarbeit mit dem Kulturring in Berlin ein Benefizkonzert zugunsten der nach Berlin geflüchteten ägyptischen Kopten. Die Zahl der koptischen Flüchtlinge liegt bei etwa 200 Menschen.

Der Polizeiliche Staatsschutz sucht Zeugen, welche die Tat beobachtet haben und Hinweise zu den Tätern oder dem Hergang geben können. Zeugen können sich unter 46 64 95 33 10 bei der Polizei melden.


Karolina Wrobel / KW
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