Arbeitsverdichtung und Stress sind für Mitarbeiter im Bezirksamt Alltag

Lichtenberg. Rund 500 Mitarbeiter im Bezirksamt sind langzeiterkrankt. Trotzdem soll weiter Personal abgebaut werden.

"Arbeitsverdichtung findet aktuell überall in der Bezirksverwaltung statt", informierte Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) jetzt in der Bezirksverordnetenversammlung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion. Mittlerweile ist jeder vierte Mitarbeiter im Bezirksamt länger als sechs Wochen krank gemeldet. Das führt zu noch größerer Arbeitsbelastung der übrigen Belegschaft. Überlastungsanzeigen sind an der Tagesordnung. So etwa im Bereich des Regionalen Sozialdienstes des Jugendamts, der sich unter anderem um den Schutz von Kindern kümmert.

Von 44 Mitarbeitern, die sich dort direkt mit den gefährdeten Familien auseinandersetzen, sind zehn langzeiterkrankt. "Die Mitarbeiter sind akut überlastet, die Situation gefährdet den Kinderschutz", sagt Jugendstadträtin Sandra Obermeyer (parteilos für Die Linke). Auf jeden entfielen mittlerweile 100 Fälle. Trotzdem sollen im Jugendamt weitere Stellen gestrichen werden. Insgesamt soll die Bezirksverwaltung um 17 Prozent schrumpfen. Das beschloss das Abgeordnetenhaus bereits 2012. Doch weil immer mehr Menschen nach Lichtenberg ziehen, wachsen für die Bezirksverwaltung die Aufgaben.

Die Folge ist eine überlastete Verwaltung und die Auswirkungen seien schwer in den Griff zu bekommen, beklagt Bürgermeister Andreas Geisel: "Von 500 Langzeiterkrankten haben im vergangenen Jahr lediglich 32 das Angebot zum Gespräch über eine Wiedereingliederung angenommen." Ab Januar 2015 sollen diese Gespräche deshalb mit dem direkten Vorgesetzten und auch möglichst zeitnah nach der Rückkehr aus der Erkrankung erfolgen. Bisher wurden die Mitarbeiter erst drei Monate, nachdem sie bereits zurück am Arbeitsplatz waren, zum Gespräch geladen. Zudem wägt der Bürgermeister den Vorschlag des Fraktionsvorsitzenden Der Linken, Michael Grunst, ab, eine Sozialberatung für seine Mitarbeiter einzurichten. "Auch Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind betroffen von Verschuldung oder Alkoholproblemen. Eine Beratung könnte sich hier positiv auf den Krankenstand auswirken", so Grunst.


Karolina Wrobel / KW
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