Das bewegte die Menschen 2014 in Lichtenberg

Anwohner wollen die Sportflächen an der Rummelsburger Bucht erhalten. (Foto: Wrobel)
 
Die modernste Jugendherberge Berlins entsteht derzeit in Lichtenberg. (Foto: Wrobel)
 
Der Quartierspark an der Gensinger Straße. (Foto: Wrobel)
 
Der Platz vor dem Theater in Karlshorst wurde nach Johannes Fest benannt. (Foto: Wrobel)
 
Eltern sammeln Unterschriften für eine bessere Reinigung der Schulen. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Und wieder geht ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Traditionell der Zeitpunkt, einmal kurz auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und einige Berliner-Woche-Schlagzeilen und Geschichten Revue passieren zu lassen.

Januar

Erstmals platzt eine Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg. Die Fraktion der Partei Die Linke wollte per Sondersitzung einen Antrag durchsetzen. Die Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Bündnis 90/ Die Grünen verhinderte das, indem sie nicht zur Sitzung erschien. Im Antrag der Linken ging es um die Aufhebung der Haushaltssperre im Jugendamt.

Im Bezirk sollen neue Flüchtlingsheime eröffnen. In Berlin werden mehr als 4000 Flüchtlinge gezählt, in Lichtenberg kommen zu dem Zeitpunkt etwa 1400 Flüchtlinge unter. Um weitere Flüchtlinge unterbringen zu können, müssen neue Standorte gefunden werden. Zu den möglichen zählt ein Haus in der Herzbergstraße.

Februar

Die am S-Bahnhof Karlshorst eingestürzte Fußgängerbrücke wird geborgen. Das 7,5 Tonnen schwere Brückenteil lag zuvor monatelang in der Bahnhofshalle. Zum Einsturz kam es im Oktober 2013 bei Bauarbeiten. Ein Bauarbeiter wurde vom herabstürzenden Brückenteil getroffen und starb. Ein weiterer wurde schwer verletzt.

Der namenlose Platz vor dem Theater Karlshorst wird nach dem Schulrat und Politiker Johannes Fest (1889-1960) benannt. Der in Lichtenberg lebende Fest wurde 1933 mit einem Berufsverbot belegt, trotzdem äußerte er seine Meinung über den Nationalsozialismus.

Am 9. Februar vor 30 Jahren wurde der Grundstein für die Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen gelegt. Das Jubiläum wird von zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Aktionen begleitet.

Die Sanierung des Seniorenwohnheims am Heckelberger Ring 2 kostet den Bezirk mehr als erwartet. Statt 1,6 Millionen Euro muss der Bezirk insgesamt 4 Millionen Euro aufwenden. Wegen eines jahrelangen Rechtsstreits um eine verpfuschte Sanierung ruhte eine notwendig gewordene, zweite Sanierung. Innerhalb von sechs Jahren wuchs die Summe schließlich auf 4 Millionen Euro an.

März

Für eine zusätzliche Attraktion soll im Tierpark Friedrichsfelde künftig ein Spaßbad sorgen. Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung schlägt den Bau eines solchen Bades vor, gleichzeitig bringt die SPD-Fraktion diese Idee auch in der BVV in Marzahn-Hellersdorf ein. Der Vorschlag wird später verworfen, da für die Eröffnung eines neuen Bades ein altes im Bezirk schließen müsste.

Mit einer "Woche der Inklusion" sollen die Probleme und Lösungen des Zusammenlebens zwischen Menschen mit und ohne Handicap im Bezirk erörtert werden. Gerade an Schulen gibt es viel Nachholbedarf, was etwa Barrierefreiheit angeht. Nur sieben von insgesamt 40 Regelschulen verfügen über einen Fahrstuhl und ein Behinderten-WC.

Ein Luxemburger Eigentümer plant rund 960 Wohnungen im Gebiet rund um die Anna-Ebermann-Straße zu sanieren. Viele Anwohner sind verunsichert, weil sie steigende Mieten fürchten. Manche erhalten Modernisierungsvereinbarungen, von denen einige mit Mieterhöhungen von über 200 Euro verknüpft sind. Der Bezirk schließt mit dem Eigentümer eine Vereinbarung ab, die Luxusmodernisierungen ausschließt.

Studenten der Kunsthochschule Weißensee eröffnen in der Zingster Straße 10 ein ungewöhnliches Reisebüro mit dem Namen "JanzWeitDraußen". Bei dem Reisebüro handelt es sich tatsächlich um ein Kunstprojekt, an dem viele Anwohner teilnehmen.

April

Am ehemaligen Hochschul-Standort in der Marktstraße 9-12 entsteht eine der hochmodernsten Jugendherbergen in Deutschland. Rund 10 Millionen Euro investieren die Landesverbände und der Bundesverband der Jugendherbergen in den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudeensembles. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2016 geplant.

Der Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz verabschiedet sich mit der Eröffnung des sanierten Tropenhauses im Alfred-Brehm-Haus. Blaszkiewitz leitete über zwei Jahrzehnte den größten Landschaftstierpark Europas. Sein Nachfolger ist der Tierarzt Andreas Knieriem.

Das brachliegende Hansa-Center an der Hansastraße soll wiederbelebt werden. Der neue Eigentümerin, die Edeka-Gruppe, will den Standort mit einem neuen Konzept auf Vordermann bringen. Unter anderen soll ein 4000 Quadratmeter großes Edeka-Center im Handelszentrum Platz finden. Die Eröffnung soll 2015 folgen.

Eine Gedenktafel erinnert an die Entstehung der Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen am Ort der Wohnbereiche Mühlengrund. Am 14. April 1986 wurden hier die ersten zwölf Bereiche von den Baubetrieben der DDR übergeben. Viele der damals Zugezogenen wohnen noch immer vor Ort.

Mai

Mehr als 150 Lehrer fehlen zum Schuljahr 2014/2015 in Lichtenberg. Der Bedarf ist besonders bei Grundschullehrern hoch. Durch den Zuzug vieler Familien und eine gestiegene Geburtenrate ist dieser Bedarf gewachsen. Die Schulaufsicht zeigt sich optimistisch, diesen Bedarf rechtzeitig zu decken. Das Land Berlin wirbt um Quereinsteiger, die Lehrer werden wollen.

Es gibt Zoff um die fünf Stadtteilzentren in der Bezirksverordnetenversammlung. Vor allem die Partei Die Linke bemängelt, dass die Vergabe der Zentren an neue Träger nicht transparent genug war. Neu zum Zug kam die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt, die den Standort in der Margaretenstraße 11 übernimmt sowie das CDU-nahe Unionhilfswerk, das die Stadtteilarbeit im Fennpfuhl abdeckt.

Das geplante Wohnquartier am Mühlengrund steht bei den Anwohnern in der Kritik. Das vorhandene Nahversorgungszentrum Mühlengrund-Center soll abgerissen werden, damit 370 neue Wohnungen am Rotkamp entstehen. Geplant sind zwei sechsgeschossige und ein achtgeschossiges Gebäude. Anwohner befürchten, ihnen werde mit den Neubauten die Sicht versperrt.

Juni

Der Quartierspark an der Gesinger Straße 56 wird zum Anziehungspunkt für viele Familien. Der Park wurde für 100.000 Euro umgestaltet und bietet eine Fitness-Strecke, die auch für Ältere geeignet ist.

Mehr als 2000 Bürger stimmen beim Bürgerhaushalt für die Sicherung des sozio-kulturellen Zentrums in der KultSchule in der Sewanstraße 43 ab. Der Lichtenberger Kulturverein kann die Unterhaltung des Gebäudes nicht mehr gewährleisten. Unsicher ist, ob der Standort vom Bezirk aufgegeben wird.

Die Jugendkunstschule in der Demminer Straße 4 feiert ihr 20-jähriges Jubiläum. Die Schule wurde nach dem Vorbild der Musikschulen geschaffen. Schon Kinder ab drei Jahren lernen hier den Umgang mit Pinsel und Staffelei.

Der Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) protestiert gegen den Personalabbau in der Bezirksverwaltung. Das Abgeordnetenhaus hat diesen Abbau beschlossen, der Bezirk Lichtenberg muss seine Verwaltung um fast zwanzig Prozent schrumpfen.

Juli

Eltern in Karlshorst fordern mehr Sauberkeit an den Schulen und sammeln Unterschriften für einen Einwohnerantrag. Mit Erfolg. In nur wenigen Wochen kommen mehr als 1000 Unterschriften zusammen. Damit geht der Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg. Teil des Antrags ist ein "Putzplan". Hier wünschen die Eltern, dass Toiletten zwei Mal am Tag gewischt werden.

Die Kita "Abenteuerland" in der Anna-Ebermann-Straße 26 hat den schönsten und reichhaltigsten Gemüsegarten. Die Kita gewann beim 1. Lichtenberger Schulgartenwettbewerb den ersten Preis. Sieben Projekte aus dem Bezirk hatten sich um die Auszeichnung beworben.

Die Anwohner am Malchower Weg kämpfen für ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde, das auch am Tag einzuhalten wäre. Die Initiatorin Karin Schulz beklagt, dass der Verkehr auf dem Malchower Weg über die Jahre kaum erträgliche Ausmaße angenommen hat. Sie organisiert eine Demonstration.

August

Die freiwillige Feuerwehr in Karlshorst ist in Not. Es fehlen Umkleideräume für die Mädchen der Jugendfeuerwehr. Ein Baugerüst an der Wache in der Dönhoffstraße 31 versperrt dem Katastrophenschutzfahrzeug die Zufahrt zum Hof, was zusätzlich die Ausbildung erschwert. Der Lichtenberger Abgeordnete Ole Kreins (SPD) will sich für eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen der Ehrenamtlichen einsetzen.

Eine Klinke geht um die Welt. Es handelt sich um die Original-Klinke des Hauses Lemke in der Oberseestraße 60. Das Haus wurde vom Architekten Ludwig Mies van der Rohe entworfen, ebenso die Klinken. Eine dieser Klinken wird in einer Ausstellung auf der renommierten Architektur Biennale in Venedig gezeigt. Das Haus Lemke in der Oberseestraße ist jedoch auch sehenswert: Es ist ein landesweit bekanntes Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst.

September

Containerbauten ersetzen an drei Grundschulstandorten im Bezirk fehlende Schulräume. In der Brodowin-Grundschule in der Liebenwalder Straße 20-22 bietet der Neubau Platz für 200 Schüler. Die Richard-Wagner-Schule in der Ehrenfelsstraße 36 sowie die Grundschule in der Lisztstraße 6 erhalten ebenfalls solche Ergänzungsbauten.

Die Initiative "Kultwache Rathausstern" geht bei der Vergabe der alten Polizeiwache in der Rathausstraße 12 leer aus. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge kauft das Gebäude. Erstmals überhaupt vergab der Liegenschaftsfonds ein solches Gebäude nicht an den Höchstbietenden, sondern berücksichtigte auch das künftige Nutzungskonzept für ein Gebäude.

Ein neues Schulgebäude erhalten die Nachwuchs-Elitesportler des Schul- und Leistungssportzentrums Berlin am Sportforum Hohenschönhausen. Hier lernen 1200 Spitzensportler von der 1. Klasse bis zum Abitur. Zu den Absolventen gehören die Eisschnellläuferin Bente Kraus sowie der Wasserspringer Patrick Hausding.

Oktober

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die koptische Kirche am Roedeliusplatz. Sie zünden vor der Tür der Kirche eine Mülltonne an. Ein in der Kirche schlafender Flüchtling bemerkt den Brand nicht, der auf die Kirchentür übergeht. Anwohner rufen die Feuerwehr. Die löscht das Feuer, der Flüchtling bleibt unverletzt.

Anwohner protestieren gegen den Bau einer Wasserfilteranlage an der Rummelsburger Bucht, die den Abriss der Sportflächen an der Georg-Löwenstein-Straße notwendig machen würde. Bezirksamt und Senatsverwaltung suchen nach alternativen Flächen. Mit dem Bau der Seefilteranlage sei nicht vor 2020 zu rechnen, heißt es.

Die Ankündigung des Senators Mario Czaja (CDU), in Falkenberg am Hausvaterweg ein Containerdorf für Flüchtlinge zu bauen, sorgt für Kritik. Die BVV verabschiedet eine Resolution, in der sie den Standort für die Unterbringung von 480 Flüchtlingen in Containern als unzulänglich bezeichnet. Auch bei den Dorfbewohnern löst die Ankündigung Unsicherheit aus.

November

Das Abgeordnetenhaus gibt die gesperrten Mittel für den Tierpark frei. Es handelt sich um 5 Millionen Euro, die unter dem neuen Tierpark-Direktor Andreas Knieriem für neue Investitionen verwendet werden sollen. Allein 1,6 Millionen Euro sind für den Ausbau der Spielplätze ausgegeben verplant. Ein neuer Besuchereingang wird für 750.000 Euro errichtet werden.

Der Bezirk würdigt das Engagement des 2001 verstorbenen Schriftstellers und SED-Kritikers Stefan Heym mit einer Platzbenennung. Nach Heym wird der Brunnenplatz an der Frankfurter Allee/ Ecke Möllendorfstraße benannt.

Für einen saubereren Obersee soll eine neue Seefilteranlage an der Oberseestraße 5-7 künftig sorgen. Der Bau wird von vielen Anwohnern kritisch begleitet. Sie fürchten um die Unversehrtheit der Bäume im Oberseepark.

Der "Pusterich" des Künstlers Achim Kühn pustet wieder Wasser. Er ist Teil des Mühlenradbrunnens am Rotkamp, der nach einer Sanierung für 460.000 Euro wieder in Betrieb geht.

Dezember

Andreas Geisel (SPD) gibt sein Amt als Bürgermeister Lichtenbergs ab. Er wird Nachfolger des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller (SPD). Dieser wird zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt.

Die Überprüfung der Bezirksverordnetenversammlung durch die Stasi-Unterlagenbehörde auf einen Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hin wird kontrovers diskutiert. Vier Bezirksverordnete fielen bei der Überprüfung auf. Drei gehören der Fraktion Die Linke an, eine der SPD. Der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, Rainer Bosse (Die Linke), zieht die Konsequenz und stellt die Vertrauensfrage. Die Bezirksverordneten sprechen ihm mehrheitlich das Vertrauen aus.


Karolina Wrobel / KW
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