Jürgen Steinbrück wurde mit der höchsten Auszeichnung im Bezirk geehrt

Jürgen Steinbrück zeigt auf die Liste der neuen Mitglieder der Seniorenvertretung. Viele von ihnen sind seit Jahren engagiert. (Foto: Wrobel)
 
Jürgen Steinbrück hat für die neuen Mitglieder in der Seniorenvertretung eigens eine Briefing-Mappe mit den wichtigsten Themen des Bezirks zusammengestellt. Foto: Wrobel (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Zwei Jahrzehnte lang wirkte Jürgen Steinbrück in der Kommunal- und Seniorenpolitik in Lichtenberg. Für sein Engagement erhielt der 77-Jährige die Ehrenurkunde des Bezirkes.

"Viele Probleme der Senioren sieht man nicht: Altersarmut, Isolation", sagt Jürgen Steinbrück. Er setzte sich für die Belange der älteren Menschen ein und gab ihnen in der Politik eine Stimme: Kaum eine Bezirksverordnetenversammlung, die nicht mit einer Rede des Vorsitzenden der Seniorenvertretung begann. Dann ging es um die Pflegeeinrichtungen im Bezirk oder wo Senioren in ihrem Kiez Verbesserungen wünschten.

Über "alle Parteigrenzen hinweg" habe er sich die Anerkennung als Fürsprecher der Senioren im Bezirk erarbeitet, hob Sozialstadträtin Birgit Monteiro (SPD) in ihrer Laudation hervor. Ende März wurde Jürgen Steinbrück mit der höchsten Auszeichnung in Lichtenberg bedacht. Er erhielt die Ehrenurkunde des Bezirkes. Und kündigte zeitgleich seinen Rückzug aus der Politik an. In diesem Jahr war er nicht mehr zur Wahl der Seniorenvertretung angetreten.

"Auch ich werde älter und muss meine Kräfte einschätzen", sagt der 77-Jährige. Er begrüßt den Generationswechsel in dem Gremium, das er bis dahin leitete: "Von insgesamt 17 Mitglieder sind ein Dutzend ganz neu mit dabei", freut sich Steinbrück. Auch die sechsfach gestiegene Wahlbeteiligung zeigt: Die Seniorenvertretung wird als wichtig wahrgenommen. Steinbrück stieß vor zehn Jahren dazu. Davor war er Bezirksverordneter für die Fraktion Die Linke.

"Als das Seniorenmitwirkungsgesetz 2006 beschlossen wurde, war mir klar: Da mache ich mit!". Von den heute rund 280 000 Einwohnern im Bezirk sind über 72 000 Menschen älter als 60 Jahre. "Die meisten von ihnen fallen aus dem Arbeitsleben heraus und wissen nicht weiter". Künftig wird die Zahl der hochbetagten Menschen weiter steigen.

"Daher entwickelt sich eine Situation, die zwei Seiten aufweist: Die Senioren sind heute einerseits fitter, andererseits nehmen Probleme wie Demenz zu". Auch die Folgen des Systemwechsels schlagen sich in der älteren Generation nieder: "Es gibt gebrochene Arbeitsbiografien. Altersarmut wegen kleiner Renten ist im Bezirk ein Problem". Diesen Menschen trotzdem Möglichkeiten der Teilhabe zu eröffnen war eines der wichtigsten Ziele der ehrenamtlichen Arbeit in der Seniorenvertretung, so Steinbrück.

Das bedeutete auch, politisch Druck zu machen: "2012 wurde der Personalabbau im Bezirk beschlossen, der Betrieb der Seniorenfreizeitstätten stand auf der Kippe", erinnert sich der Senior. Die Vertretung setzte sich vehement dafür ein, die Stätten zu erhalten.

Und auch Veranstaltungen wie etwa die Seniorenuniversität oder der Stammtisch Pflege sind Schwerpunkte der Arbeit der Seniorenvertreter. Zudem haben sie stets ein offenes Ohr für individuelle Anfragen. "Unsere Mitglieder sind bestens vernetzt. Sie sind in Kiezbeiräten aktiv, in der Sozialkommission, sind Altenvertreter in den Wohnungsbaugesellschaften", weiß Steinbrück.

Die Stadträte im Bezirksamt wissen um den Einfluss der Seniorenvertretung – und die Debattierlust von Jürgen Steinbrück: "In jeder Auseinandersetzung kann man sich Beulen holen", lacht er. "Doch wer keine Fehler macht, kann nichts lernen." Und das gelte für jede Generation. KW
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