Christina Emmrich zieht sich aus der Bezirkspolitik zurück

Die ehemalige Bezirkspolitikerin Christina Emmrich (Linke) will sich im Ruhestand auch weiterhin engagieren - ehrenamtlich. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Christina Emmrich, frühere Bürgermeisterin und zuletzt Stadträtin für Jugend und Gesundheit, geht in Rente. Die politische Arbeit in Lichtenberg war für die Linke-Politikerin nie einfach.

Noch an ihrem letzten Tag im Amt warten drei Termine. Dann beginnt der Ruhestand. "Vielleicht finde ich es ja schön, gar nichts mehr zu machen. Vorstellen kann ich es mir nicht", sagt Christina Emmrich. An ihrer Bürotür hängt ein Plakat des Films "Die Kriegerin", im Zimmer sitzt auf einem kleinen Aktenschrank ein großer Plüschbär. Die Politikerin der Linkspartei gilt als patent - ihr Auftreten wird bestimmt von einer kernigen Herzlichkeit. Das hat ihr bei vielen Menschen Sympathien eingebracht. Als Mutti des Bezirks sieht Christina Emmrich sich nicht, auch wenn sie im Gespräch immer wieder auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sprechen kommt. Deren Biografie, "Das andere Leben der Angela M.", schlägt aktuell mediale Wellen.

Mit Angela M. verbindet Christina Emmrich tatsächlich etwas: Auch Emmrich, in Leipzig geboren, war in der DDR zu Hause. Sie war SED-Mitglied, später Politikerin der PDS. In der Linkspartei hat es Emmrich zur Bürgermeisterin eines historisch-politisch wichtigen Bezirks gebracht. "Für mich ist es faszinierend, wie geschichtsträchtig der Bezirk ist", sagt die 65-Jährige. "Mit der Gedenkstätte der Sozialisten haben wir einen der ersten städtischen Friedhöfe, der auch eine politische Prägung hat. Wir haben das Deutsch-Russische Museum." Erst am Schluss setzt Emmrich hinzu: "Und wir haben natürlich die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Die gehört in diesem Kontext einfach dazu."

Bis heute hat Die Linke in Lichtenberg eine große Wählerschaft. Die Fraktion bildet die größte in der Bezirksverordnetenversammlung. Der Sozialdemokrat Andreas Geisel hatte 2011 die damalige Bürgermeisterin Christina Emmrich nur mit einer Zählgemeinschaft ablösen können. Doch schon während ihren zwei Amtszeiten hatte es die Bürgermeisterin nicht einfach. Im Bezirkshaushalt fehlte viel Geld. Und immer wieder schob sich die Geschichte ins Bewusstsein. Die Schulden sind abgebaut. Die Geschichte bleibt. Fragt man Emmrich nach den Schwierigkeiten der politischen Arbeit einer Linke-Politikerin im einstigen Zentrum staatlicher Repression der DDR, reagiert sie verärgert. "Das ist immer der Tenor, der mir gegenüber eingeschlagen wird. So nach dem Motto: davor kneift sie, da hat sie keine Meinung." Konkrete Aktionen habe es sehr wohl gegeben, hebt Emmrich hervor: die Markierung des ehemaligen Sperrgebiets rund um das Stasi-Gefängnis an der Genslerstraße, die Tafeln, die gemeinsam mit Marianne Birthler in der Normannenstraße und der Frankfurter Allee enthüllt wurden. "Da steht deutlich, wie wir zum Ministerium für Staatssicherheit stehen. Das will aber keiner so richtig zur Kenntnis nehmen." Emmrichs Ton schlägt ins wehrhafte. "Ich finde es schmerzhaft, dass es so eine Einrichtung wie die Gedenkstätte geben muss, in der erinnert wird, dass hier politisch Andersdenkende eingesperrt wurden." Später wird sie nachdenklich. "Eine ganz wichtige Erkenntnis, und die war für mich schwer genug: Nie wieder etwas glauben und funktionieren, sondern den Kopf selber anstrengen. Menschen gewinnen, die ihre eigene Umwelt gestalten wollen." Selbst in der Wende arbeitslos geworden, gründete Christina Emmrich den Verein für ambulante Versorgung Hohenschönhausen. "Gerade in der Arbeit mit Obdachlosen und Arbeitslosen habe ich unwahrscheinlich viel gelernt. Dieses Motivieren, Stärken."

Den Stempel aufgedrückt

Die Erfahrung, selbst etwas gestalten zu können, brachte sie in ihre 18 Jahre währende bezirkspolitische Arbeit ein: Christina Emmrich initiierte den Bürgerhaushalt in Lichtenberg, sie hob die Bürgerstiftung aus der Taufe. Ihr Name steht auch für das Lichtenberger Musikschulkonzept, ebenso die Bürgerkommune. Gegen eine Neonazi-Demo engagierte sich Emmrich 2008 sogar mit einer Sitzblockade. Zu Beginn, als sie 2002 als Bürgermeisterin antrat, sagt sie, wollte sie dem Bezirk ein wenig ihren Stempel aufdrücken. Kurz vor dem 31. Mai, dem letzten Tag im Amt als Stadträtin, resümiert sie: "Und am Ende habe ich es hingekriegt."


Karolina Wrobel / KW
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