Das TBC-Zentrum hofft auf Personalverstärkung

Die Radiologin Gisela Glaser-Paschke vor dem alten Archiv für Röntgenbilder - das neue Röntgengerät im Hintergrund macht solche Abzüge verzichtbar. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Im einzigen Berliner Tuberkulose-Zentrum in Lichtenberg zählen die Ärzte immer mehr Erkrankte. Das liegt nicht nur an den steigenden Flüchtlingszahlen.

Noch immer gibt es sie: die bakterielle Infektionskrankheit Tuberkulose. Obdachlose, Drogensüchtige und Alkoholiker sind gefährdet, denn in beengten Wohnsituationen und bei schlechten Hygieneverhältnissen kann sich die Krankheit per Tröpfcheninfektion schnell ausbreiten. Im Tuberkulose-Zentrum in Lichtenberg werden aber nicht nur von der Krankheit gefährdete Menschen auf TBC hin untersucht. Asylbewerber müssen gesetzlich innerhalb von drei Tagen untersucht werden. "Die Anforderungen für die 22 Mitarbeiter im Tuberkulose-Zentrum steigen mit den Fallzahlen", sagt Gesundheitsstadträtin Sandra Obermeyer. Während im Jahr 2009 noch 266 Erkrankte gezählt wurden, waren es 2012 schon 324. Dieses Jahr waren es Ende August bereits 256 Erkrankte. In Lichtenberg warten Gefährdete noch immer vier Wochen lang auf die Untersuchung, denn es gibt zu wenige Ärzte und Sozialarbeiter: "Wir bräuchten einen zusätzlichen Arzt, einen Sozialarbeiter und eine Röntgenfachkraft", sagt Radiologin und Leiterin des Zentrums, Gisela Glaser-Paschke.

Nicht nur die steigenden Flüchtlingszahlen sorgen für mehr Untersuchungen. "Auch unter den Berlinern nehmen TBC-Erkrankungen zu, weil sich die soziale Situation verschärft", beobachtet Glaser-Paschke. Zudem lebe eine große Zahl an EU-Bürgern, etwa Saisonarbeiter aus Osteuropa, oft unter schlechten Bedingungen.

Die Radiologin hofft die steigenden Fallzahlen auch mit neuer Technik besser bewältigen zu können. In den vergangenen Monaten wurde eine neue Röntgenanlage installiert und die Räume modernisiert. Insgesamt kostete die Investition das Land Berlin etwa eine Million Euro.

"Das neue Röntgengerät arbeitet digital ohne Filmabzüge, das erspart uns jetzt Zeit", erklärt Glaser-Paschke. Jede Sprechstunde können so bis zu 50 Aufnahmen gemacht werden. Der größte Vorteil liegt jedoch bei der um ein Drittel geringeren Strahlenbelastung für die Patienten. "Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind wir darauf aus, strahlenarm zu arbeiten."

Die technische Neuerung ersetzt jedoch keineswegs die weiteren Schritte. Denn weil TBC infektiös ist, müssen bei einer Diagnose auch Kontaktpersonen des Patienten mit behandelt werden. "Es ist eine totale Detektivarbeit", sagt die leitende Ärztin. Sozialarbeiter machen sich dann auf die Suche nach den Kontaktpersonen, von denen es oft mehr als ein Dutzend gibt, manchmal gar 400. Die Therapie ist nicht aufwendig, bringt schnell gesundheitliche Verbesserungen - und damit die Gefahr eines Therapieabbruchs. "In jedem Fall erfolgt eine Überwachung der Therapie, Abbrüche sind meldepflichtig", berichtet Glaser-Paschke. In Härtefällen wird eine Isolationsunterbringung erzwungen.


Karolina Wrobel / KW
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