Die neuen Schulkomplexe müssen heute vor allem funktional sein

Stadtrat Andreas Prüfer (Die Linke) und der Baumanager Hans-Ulrich Lehmann (r.) bei der Baubesichtigung der künftigen Nils-Holgersson-Schule. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Neue Schulgebäude müssen heute funktional sein und vor allem den stetig wachsenden Bedarf an Schulplätzen decken. Eine gelungene Architektur ist da oft zweitrangig. Das gilt auch in Lichtenberg.

"Das Schulgebäude der Carl-von-Linné-Schule hat eine außerordentlich gelungene Architektur. Davon würde ich mir mehr wünschen", sagt der Architekt Hans-Ulrich Lehmann. "Sowas würden wir heute aber nie finanziert bekommen."

Der verschachtelte Komplex aus der Feder des bekannten Architekten Wolf-Rüdiger Eisentraut in der Paul-Junius-Straße 15 gilt als modellhaft - in Aussehen und Funktion. Gebäude und Außenanlagen sind an den Bedarf körperbehinderter Schüler angepasst. Der Bau aus dem Jahr 1977 ist ein Unikum, dem heute Architekten der öffentlichen Hand schwer nacheifern können.

Zwar werden immer mehr neue Schulen gebaut und alte saniert. Allein Lichtenberg braucht in den kommenden fünf Jahren zwölf zusätzliche Schulen, um den enorm steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden. Fünf Mobilbauten an verschiedenen Grundschulen im Bezirk sollen schon von 2014 an das Kapazitätsproblem lösen.

Für Architekten wie Hans-Ulrich Lehmann, der seit 1991 im Dienst des Bezirksamtes den Bereich Baumanagement leitet, sind Mobilbauten eine schlichtweg sachliche Lösung. "Ich befürworte gute Baukultur und damit die solide Bauweise", sagt Lehmann. "Sie ist nachhaltiger. Mobile Unterrichtsräume sind ja bloß Klassenräume."

Eine Schule muss jedoch für deutlich mehr da sein als nur für den Unterricht. Kinder und Lehrer brauchen Platz für die Pausen, für Kommunikation, für den Sport, für Mahlzeiten, für die Freizeit. Dennoch ist Funktionalität derzeit oberstes Gebot beim Schulbau.

So auch beim Vorhaben der Nils-Holgersson-Schule in der Otto-Marquardt-Straße 12-14. Hier entsteht bis zum Frühjahr 2014 Stein auf Stein ein Bau, der ähnlich der Carl-von-Linné-Schule den Bedürfnissen von mehrfach schwerstbehinderten Kindern gerecht werden muss. 18,5 Millionen Euro fließen in das Gebäude, die Sporthalle und die kleine Schwimmhalle mit Therapiebecken. Mehr Geld, als ursprünglich geplant war. "Wir haben lange auf die Finanzierung warten müssen", erklärt der für den Hochbau zuständige Stadtrat Andreas Prüfer (Die Linke). So sind die Preise auf dem Markt erheblich gestiegen. Allein die Gestaltung der Außenanlagen überschreitet das Budget um 200 000 Euro.

Weil der Auftragnehmer die höhere Summe per Klageweg durchsetzte, muss der Bezirk das Geld nun aufbringen. Auch deshalb geht es sparsam zu: Teure Materialien wie Holz ersetzt man durch Gipskartonplatten, die Wände enstehen in Trockenbauweise, die massiven Decken bleiben sichtbar, die Böden werden mit Linoleum und Fliesen ausgelegt. "Hier wird spartanisch geplant", sagt Lehmann.

Der Neubau muss dennoch vielfache Anforderungen jenseits des Standards einer Schule erfüllen. Jeder Bereich des Gebäudes soll mit dem Rollstuhl erreichbar sein, selbst das Garten-Atrium im Schulhof. Jedem der 25 Klassenzimmer ist ein Sanitärbereich angeschlossen. Es entsteht eine Schwimmhalle mit Therapiebecken. Bis zu 180 Kinder können hier vom Schuljahr 2014/2015 an lernen.


Karolina Wrobel / KW
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