Disput über künftige Nutzung der alten Konsum-Bäckerei

Im Kesselhaus entstand die Wärme für das Backen von Brot. Stefanie Bung zeigt, was vom Kesselhaus übrig ist. (Foto: Wrobel)
 
Stefanie Bung im Treppenhaus der denkmalgeschützten Bäckerei. Das Gebäude wurde vielfach mit aufwendiger Graffiti bemalt. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Seit drei Jahren warten die Investoren darauf, die denkmalgeschützten Industriebauten der ehemaligen Konsum-Bäckerei und Fleischerei in der Josef-Orlopp-Straße in Wohnungen umwandeln zu können. Doch es steht nicht sehr gut um ihre Chancen.

"Die Gebäude verfallen immer mehr", sagt Stefanie Bung. Farbe blättert von vielen Wänden, andere sind reich mit Graffiti verziert. Nachts kommen aber nicht nur die Künstler, um illegal zu malen, sondern auch Diebe. Sie reißen Wände auf, um an die begehrten Kabel heranzukommen. "Der Vandalismus ist ein großes Problem", so Bung.

Hintergrund: Drei Investoren haben eine Projektentwicklungsgesellschaft gegründet, um sich der alten Bäckerei und Wurstfabrik an der Josef-Orlopp-Straße anzunehmen. "Wir haben etliche Nachfragen. Bei den meisten geht es um Wohnnutzung, die Nachfrage nach einer Gewerbenutzung sinkt dagegen", sagt Stefanie Bung, die Leiterin des Projekts ist. Auf einer Fläche von 77.000 Quadratmetern ließen sich viele Wohnungen realisieren. "Daneben möchten wir hier aber auch Kreative ansiedeln", sagt Stefanie Bung, die früher stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus war. "Wir wünschen uns Wohnen und Arbeiten an einem Ort. Schließlich wird der Standort an drei Seiten bereits von Wohngebieten umrahmt. Ein Mischgebiet wäre also stadtplanerisch sinnvoll."

Allein: Bislang ist das Areal mit den denkmalgeschützten Industriebauten für eine rein gewerbliche Nutzung ausgewiesen. Seit drei Jahren warten die Investoren auf eine Entscheidung des Bezirkes und des Landes Berlin, das zu ändern. Derweil verfallen die Gebäude und die Kosten summieren sich. Rund 900.000 Euro flossen schon in dringend notwendige Reparaturen und in die Sicherung des Geländes. Auch die Vermietung gestaltet sich schwierig. Etwa 20 Kleingewerbler haben sich hier angesiedelt: ein Kunsttischler, Filmemacher, ein Medienbüro.

"Wir haben die Umwandlung des Gebietes in ein Mischgebiet erwogen", sagt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Der Standort wurde vom Bezirk im Rahmen des Bereichsentwicklungsplans Wohnen untersucht, der potenzielle Wohnflächen im Bezirk ausfindig machen soll. Laut Plan käme Wohnen dort schon infrage. Der Bürgermeister ist trotzdem nicht dafür. "Wir müssen nachgefragte Gewerbegebiete sichern", sagt Geisel, der zugleich Wirtschaftsstadtrat ist. Er stützt sich bei seiner Ablehnung auf verschiedene Stellungnahmen, darunter die der Industrie- und Handelskammer, der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Sie alle plädieren gegen die Mischnutzung des Standorts. Es gebe seit zwei Jahren eine "stark gestiegene Nachfrage nach Gewerbeflächen, auch und gerade für dieses Gebiet", so Geisel.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU) hat sich hingegen noch nicht festgelegt: "Der Entscheidungsprozess ist nicht abgeschlossen." Das bisher vom Projektentwickler vorgelegte städtebauliche Konzept sei aber nicht überzeugend. "Das Konzept sollte Wohnen und Gewerbe in ein ausgewogenes Verhältnis setzen." Auch Geisel sieht den Projektentwickler in der Pflicht. Es liege jetzt am Eigentümer, er könne "weitere Jahre erfolglos seine Wohnpläne verfolgen, oder sich Erfolg versprechend in Richtung Gewerbeansiedlung orientieren."


Karolina Wrobel / KW
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