Durch kleine Geschenke will der Bezirk bei Bürgern beliebter werden

So ein Schlüsselanhänger ist doppelt praktisch. Aufgenäht ist nämlich auch die Telefonnummer des Ordnungsamts, ? 902 96 43 60. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts in Lichtenberg verteilen Schlüsselanhänger, der Bürgermeister Honig. Damit will das Bezirksamt beliebter werden.

Nein, beliebt ist das Ordnungsamt nicht. Kein Wunder, denn es gehört ja zu den Aufgaben der Ordnungshüter, falsch parkende Bürger mit Ordungsgeldern zu bestrafen und der lauten Feierlaune der Nachbarn in der Mietwohnung einen empfindlichen Dämpfer zu verpassen. Rund 1,2 Millionen Euro spülen die Bürger mit ihren Vergehen in die Kasse des Ordnungsamts.

Je gründlicher das Ordnungsamt arbeitet, desto unbeliebter muss es werden, könnte eine These lauten. Und weil das Ordnungsamt gründlich arbeitet gibt es Gründe genug, um mal Imagewerbung in eigener Sache zu machen, dachte man sich sogar im Amt selbst. Deshalb vergeben dessen Mitarbeiter nicht nur Knöllchen, sondern auch kleine Gaben. Flaschenöffner, Feuerzeuge, Schlüsselanhänger - mit diesen Werbegeschenken sucht das Amt sich beim Bürger beliebter zu machen.

Das gefällt nicht jedem Lichtenberger. Vor allem nicht jenen, die vom Ordnungsamt zwar ein Knöllchen, aber kein Geschenk erhalten. So ähnlich traf es den SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksverordnetenversammlung, Erik Gührs, der an unerlaubter Stelle im Bezirk seinen Grill anheizte. Die Ordnungshüter hatten kein Geschenk für ihn parat, nur mahnende Worte.

Ob er sich mit einem kleinen Geschenk weniger über sein Vergehen geärgert hätte, darüber machte sich Gührs seine Gedanken. Und fragte in der Bezirksverordnetenversammlung am 15. Mai beim Bezirksamt nach. Ob die Geschenke denn tatsächlich an die Rechtschaffenheit der Bürger appellierten - vielleicht sogar besser als Knöllchen - und die Lichtenberger weniger Ordnungswidrigkeiten begingen? Nütze das Geldausgeben für Geschenke was?

Der zuständige Stadtrat Andreas Prüfer (Die Linke) verteidigte die Werbemaßnahme mit Steuergeldern, auch wenn sie Ordnungswidrigkeiten nicht verhindert. "Ziel war es immer, als Partner bei den Bürgern akzeptiert zu werden. Wir gaben in den letzten sieben Jahren jedoch nur 2500 Euro für diese Imagewerbung aus." Die kleinen Geschenke werden nicht auf Streife verteilt, sondern bei Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit und bei Bürgerversammlungen mit entsprechenden Themen.

Dass der Hunger nach Beliebtheit groß ist, zeigt noch ein anderes Beispiel: Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) verschenkt gern Honig aus Lichtenberg, statt billiger Kugelschreiber mit aufgeklebtem Wappen. Im Jahr sind das sogar einige Kilogramm des seltenen Produkts. Bei ausländischen Gästen soll der Stoff die Erinnerungen an Lichtenberg versüßen. Geisel gibt rund 4500 Euro jährlich für die Verbesserung des Images aus. Und nützt das Geldausgeben in diesem Falle was? Das fragte wiederum die Fraktionsvorsitzende von Die Linke, Hendrikje Klein, den Bürgermeister. Der schenkte eine knappe Antwort: "Ja, natürlich!"


Karolina Wrobel / KW
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