Gebäude an der Siegfriedstraße soll abgerissen werden

Anett Sahre (rechts) öffnet den Vorhang für Familienspiele. Jule Köhn und ihre Söhne Dave und Leon finden die Angebote des Vereins unverzichtbar. (Foto: KW)

Lichtenberg. Der Bezirk plant das alte Gebäude in der Siegfriedstraße 29a durch einen Neubau zu ersetzen. Der Verein Kinderkunst ohne Führungskreuz will jedoch in seinen Räumen bleiben.

"Hier können sich meine Kinder ganz frei entfalten", sagt Jule Köhn. Jede Woche besucht die Mutter zweier Söhne mehrmals das Haus in der Siegfriedstraße 29 a, wo der zehnjährige Dave und sein fünfjähriger Bruder Leon Kissenschlachten veranstalten können, gemeinsam mit älteren Kindern basteln oder Kindertheater spielen. Der Verein Kinderkunst ohne Führungskreuz betreibt die Einrichtung in dem Haus bereits seit 16 Jahren. Das "Führungskreuz" im Vereinsnamen ist abgeleitet von dem Führungskreuz von Marionetten - die Marionettenfäden will der Verein symbolisch abgeschnitten wissen. Denn die Vereinsmitglieder, die alle ehrenamtlich das Haus führen, wollen den Kindern freie Entwicklungschancen bieten. Dazu gehören vor allem musisch-künstlerische Angebote. Jetzt fürchtet der Verein um seine Existenz am Ort. Denn das Bezirksamt plant die baufällige einstige Kita, die später von Ehrenamtlichen zu einem Kindertheater umgebaut wurde, abzureißen und eine neue Jugendfreizeiteinrichtung zu bauen. Im Rahmen des Sanierungsgebiets Frankfurter Allee Nord kann der Bezirk auf Fördermittel in Höhe von 1,61 Millionen Euro für einen solchen Neubau zurückgreifen.

"Wir haben von diesen Neubauplänen erst im Dezember 2012 erfahren", sagt Anett Sahre. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Vereins und will das vorhandene Gebäude halten. Denn dessen Räume wurden nach Bedürfnissen des Vereins mit viel Engagement von Ehrenamtlichen umgestaltet. Das Haus befände sich in einem guten Zustand, sei kinderfreundlich gestaltet und behindertengerecht ausgestattet, so der Verein.

"Eine Sanierung des Hauses ist teurer als ein Abriss und anschließender Neubau", erklärte die Jugendstadträtin Christina Emmrich (Linkspartei) auf der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung am 21. Februar. Der Verein und auch die SPD-Fraktion hatten den Neubau in einer mündlichen Anfrage zum Thema gemacht. Eine Sanierung wäre laut einem Gutachten nicht wirtschaftlich, so Emmrich. Fördermittel gibt es nur für einen Neubau.

Ob der Verein ins neue Gebäude ziehen kann, ist fraglich. "Weil das Haus mitten im Sanierungsgebiet Frankfurter Allee Nord liegt, wird es im Umfeld viele Veränderungen geben. Deshalb sind auch inhaltliche Veränderungen in der Jugendarbeit zu diskutieren", sagt Kerstin Zimmer (Linkspartei), Vorsitzende des Ausschusses für Jugendhilfe. Der Ausschuss wird im Sommer seine Entscheidung treffen, ob die Angebote des Vereins Kinderkunst ohne Führungskreuz für das Umfeld sinnvoll sind. Denn auch jetzt wird der Verein durch den Bezirk zwar anerkannt, aber nicht gefördert. Zwar kann der Verein die derzeitigen Räume mietfrei nutzen, erhält für die Angebote der Jugendarbeit jedoch kein Geld.

Solche Angebote seien zwar "wünschenswert", so der Jugendamtsleiter Rainer Zeddies, sie besäßen jedoch nicht die gleiche Priorität wie Jugendfreizeiteinrichtungen. Das erklärt, warum der Jugendclub "plexus" gleich nebenan in der Siegfriedstraße 29 eine Finanzierung erhält. Der Verein Kinderkunst ohne Führungskreuz finanziert sich hingegen durch Spenden und wird vom Paritätischen Wohlfahrtsverband unterstützt. "Bislang spart der Bezirk mit uns Geld", argumentiert Anett Sahre. Sie hofft, dass der Verein am Standort bleiben kann.


Karolina Wrobel / KW
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