Gesundheitsdienst kann nötige Hausbesuche nicht leisten

Kinderschutzkoordinatorin Astrid Kokot-Acht, Jugendstadträtin Christina Emmrich sowie Eric Gönner und Beraterin Sybille Schneider von Nestl. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Sie sollen Familien mit Neugeborenen helfen, bevor etwas passiert. Weil es zu wenige Sozialarbeiter im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst gibt, müssen Abstriche gemacht werden.

"Bis November dieses Jahres gingen mehr als 460 Hinweise über eine Kindeswohlgefährdung beim Bezirksamt ein", sagt Jugendstadträtin Christina Emmrich (Linkspartei). Rund zwei Drittel dieser Fälle braucht die Unterstützung des Jugendamtes. Damit es nicht soweit kommt, dafür sorgen im Bezirk die Sozialarbeiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes. Sie sollen vorbeugend alle Familien mit Neugeborenen beraten, welche Formen der Unterstützung es im Bezirk gibt. "Jedes Neugeborene wird von uns begrüßt. Wir schlagen den Familien auch einen Hausbesuch vor", erklärt die Kinderschutzkoordinatorin des Gesundheitsamtes, Astrid Kokot-Acht. Die Sozialarbeiter besuchen Familien und nehmen Einblick in die Lebensgewohnheiten: Sind die Eltern mit Haushalt und Neugeborenem überfordert? Ist die Familie ausreichend krankenversichert? Wissen sie, wo Eltern- und Kindergeld beantragt werden kann? Diese Fragen werden in unverkrampfter Atmosphäre geklärt. Mittlerweile stoßen die Sozialarbeiter jedoch an ihre Grenzen: "Einige Gebiete können wir präventiv nicht versorgen", berichtet die Kinderschutzkoordinatorin. Denn von insgesamt neun Mitarbeitern sind derzeit nur sieben Sozialarbeiter im Bezirk unterwegs. Deshalb werden viele Familien in Hohenschönhausen-Nord und in Friedrichsfelde nicht mehr erreicht. Doch gerade in Hohenschönhausen ist die soziale Lage vieler Familien schlecht, sie sind auf Hilfsangebote oft angewiesen. Und die Situation droht sich zu verschlimmern: "Bis 2016 werden vier Kollegen in Rente gehen", so Kokot-Acht. Dabei wäre eine bessere Personalausstattung wegen der steigenden Geburtszahlen dringend angebracht: 2011 kamen in Lichtenberg etwa 2800 Kinder zur Welt, 200 mehr als im Jahr davor.Für eine bessere Information soll deshalb auch eine Mappe sorgen, die vom Bezirksamt an jede junge Familie versandt wird. Sie beinhaltet die wichtigsten Informationen rund um die Gesundheit des Kindes, etwa Listen von Ärzten oder Ansprechpartner im Bezirk.


Karolina Wrobel / KW
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