Keine Biozide gegen den Eichen-Prozessionsspinner

Lichtenberg. Seit Jahren werden die gesundheitsgefährdenden Raupen des Eichen-Prozessionsspinners auch im Bezirk von Bäumen entfernt. Während der Senat dem Nachtfalter mit Chemie an den Kragen will, setzt das Bezirksamt Lichtenberg auf natürliche Maßnahmen.

Immer wieder müssen auch in Lichtenberg die Raupen des Eichen-Prozessionsspinners entfernt werden. Die Härchen der Raupen können Hautausschläge verursachen und zu Atemnot führen. Weil sich der Nachtfalter in Berlin in den vergangenen Jahren zunehmend verbreitet hat und gerade in den Frühlingsmonaten zum Problem wird, will die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit einer neuen Strategie gegen den fiesen Falter vorgehen. Die setzt auf den Einsatz eines bestimmten Biozids. Weil dieser Einsatz jedoch genehmigungspflichtig ist, wandte sich die Senatsverwaltung vor einigen Wochen an das Bezirksamt Lichtenberg "mit der Bitte um Zustimmung", wie es laut Bezirksamt heißt. Im Bezirk setzt man bislang nämlich darauf, die Raupen mechanisch von den Bäumen zu entfernen, etwa durch Absaugen der Raupen mit speziellem Gerät.

"Das Bezirksamt Lichtenberg hat den Einsatz von Bioziden und Insektiziden auf bezirkseigenen Flächen grundsätzlich abgelehnt", lautet die Antwort. Der Stadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU): "Solange wir mit natürlichen Mitteln gegen Gefährdungen vorgehen können, werden wir diese Variante klar vorziehen." Er bedauert, dass der Senat einseitig auf Biozide setzt und den Bezirken an dieser Stelle keine Wahlfreiheit einräumt. So gibt es zwar zusätzliche Mittel vom Senat für die Entfernung der Raupe mit dem Biozid.

Weil sich der Bezirk jedoch für die mechanische Variante entschieden hat, muss dieser Aufwand aus dem ohnehin knappen Topf der bezirklichen Grünflächenunterhaltung bezahlt werden. Im vergangenen Jahr waren das etwa 10 000 Euro.

"Gegen die Anwendung des Biozids sprechen jedoch mehrere Gründe", argumentiert der Chef in Sachen Naturschutz im Bezirksamt, Heinz Nabrowsky. "Neben dem Eichen-Prozessionsspinner werden sämtliche andere Insekten mit abgetötet. Und darunter zählen auch seltene Arten. Unklar ist, ob sich deren Bestände dann erholen können", so Nabrowsky.

Unklar sei auch, wie sich das Versprühen des Biozids auf die Bestände von Reptilien auswirkt. Die Anwendung des Biozids sei für die Bereiche außerhalb eng bebauter Stadtbereiche zwar billiger, "im innerstädtischen Bereich wiegt sich der Kosten-Nutzen-Faktor zwischen mechanischem und chemischem Einsatz aber wieder auf", weiß Nabrowsky.

Ob es in diesem Frühjahr zu einer weiten Verbreitung des Nachtfalters kommt, ist jedoch fraglich. "Die Eier entwickeln sich zwischen der 8. und 14. Kalenderwoche. In diesem harten Winter hatte der Eichen-Prozessionsspinner ohnehin schlechte Karten." Das könnte sich jedoch ändern, wenn es im April deutlich wärmer werden sollte, weiß Heinz Nabrowsky.


Karolina Wrobel / KW
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