Museum Lichtenberg zeigt Ausstellung über Wilhelm Behr

Sigrun Marks (links) befragt den Neffen Willi Behr (Mitte). Auch Dagmar Poetzsch und Henric Michalski wollen mehr erfahren. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Die Ausstellung "Wilhelm Behr - Ein stiller Held" erzählt von einem Ordnungshüter aus Malchow, der während der NS-Zeit mehreren Familien half zu überleben.

Zwei Jahre lang recherchierte eine Gruppe historisch interessierter Lichtenberger das Leben des Dorfpolizisten Wilhelm Behr, der im Jahr 1929 in der Außenstelle Malchow seinen Posten bezog. "Wilhelm Behr hat in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen, die in Gefahr waren, geholfen", weiß Sigrun Marks, die zu der Gruppe der Spurensucher zählt. Das Ergebnis ihrer Recherche ist die Ausstellung über einen "stillen Helden", die nun im Museum Lichtenberg zu sehen ist.

Anhand mehrerer Beispiele berichtet die Ausstellung vom couragierten Handeln des Berliner Polizisten. So warnte er im Jahr 1938 die Familie Braunstein vor ihrer anstehenden Verhaftung. Den Braunsteins gelang die Flucht in die USA. Bei Herta Naujocks sollte Wilhelm Behr selbst eine Hausdurchsuchung vornehmen. Die Familie Naujocks hatte die jüdische Familie Weiß in ihrer Gartenlaube versteckt. Wilhelm Behr konnte auch diese beiden Familien rechtzeitig warnen.

Den Naujocks ist eine Gedenkstele gewidmet, die in der Kleingartenanlage Wiesenhöhe in Malchow steht. Auch dieses Gedenken geht auf die Initiative einer Gruppe zurück, die über die Geschichte des Dorfes in der Zeit des Nationalsozialismus recherchierte. "Über die Recherchen zu den Familien Naujocks und Weiß sind wir erst auf Wilhelm Behr gestoßen", sagt Henric Michalski von der "Behr-Gruppe". Es sei nicht einfach gewesen, das Puzzle einzelner Ereignisse zu einem Gesamtbild des couragierten Polizisten zusammenzufügen.

Wichtige Hinweise konnte Willi Behr geben. Den Neffen des Polizisten Wilhelm Behr hat die Gruppe im Zuge ihrer Spurensuche ausfindig gemacht, allerdings erst vor Kurzem. "Mein Onkel hat nie Reklame für sich gemacht", sagt der heute 78-jährige Willi Behr. "Er war ein feiner Kerl, kräftig und wortkarg."

"Behr redete mit niemandem über seine Taten", vermutet Sigrun Marks. "Mitwisser gab es wohl keine." Doch die ehemalige Lehrerin, die sich auch im Rahmen des Erinnerungsprojekts Stolpersteine engagiert, hat keine Zweifel über die Motivation des stillen Helden: "Er handelte nach seinem sozialistischen Menschenbild. Behr war Mitglied in der SPD und im Schrader-Verband gewerkschaftlich organisiert." Der Schrader-Verband gilt als Vorläufer der Gewerkschaft der Polizei. Daher wusste Wilhelm Behr wohl auch, dass er sehr vorsichtig sein musste. "Er stand selbst unter Beobachtung durch die Gestapo", berichtet Sigrun Marks. "Schon allein, weil er mit einer lettischen Adeligen verheiratet war." Während der Zeit seines Landpostens in Malchow lebte Behr im Gutshaus in der Dorfstraße 9. An diesem Ort soll künftig eine Gedenkstele an den couragierten Dorfpolizisten erinnern. Allerdings fehlt dafür derzeit noch das Geld. Zudem wurde die Gedenkstele für die Familie Naujocks erst im Dezember 2013 mutwillig zerstört. Auch hier braucht die Initiative finanzielle Unterstützung, damit sie die Stele wieder instand setzen lassen kann. Spender und Sponsoren können sich an Karsten Günther vom Verein "Wir für Malchow" unter kguenthermalchow@t-online.de wenden.

Die Ausstellung "Wilhelm Behr - ein stiller Held" ist noch bis zum 9. Februar im Museum Lichtenberg in der Türrschmidtstraße 24 zu sehen. Am 27. Januar sind die Ausstellungsmacher ab 17 Uhr zu Gast im Museum. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.museum-lichtenberg.de.

Karolina Wrobel / KW
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