Museum zeigt Modell des zerstörten Revolutionsdenkmals

Ein Modell zeigt in der Ausstellung die undokumentierte Rückseite des Denkmals. Sie entstand nach mathematischen Berechnungen, weiß Thomas Thiele. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. An das einzigartige Revolutionsdenkmal von Ludwig Mies van der Rohe erinnert eine Ausstellung im Museum Lichtenberg in der Türrschmidtstraße 24 noch bis zum 16. Juni.

Schon 1935 von den Nationalsozialisten zerstört, wirkt das Denkmal des legendären Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde bis heute nach. "Das Revolutionsdenkmal ist einzigartig im Schaffen des Architekten. In der Form des Denkmals spiegeln sich die Grundmuster seiner Ästhetik wieder", erklärt Thomas Thiele, Leiter des Museums Lichtenberg. Am früheren Gräberfeld 64, im hinteren Bereich des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde, erinnert heute nur noch das kleine 1982 aufgestellte "Das Denkmal für das Denkmal" mit einer Reliefansicht an das modernistische Kunstwerk. Wo einst das aus versetzt ineinander gesetzten Quadern bestehende Bauwerk der avantgardistischen Moderne mit seinen zwölf Metern Breite und sechs Metern Höhe aus der Erde ragte, sind nur noch die Fundamente erhalten. "Die Leerstelle, die das Denkmal hinterlassen hat, hat viel Erinnerungsmacht", sagt Thiele.

Die Entstehungsgeschichte und die nachhaltige Wirkung des Denkmals zeichnet er in der aktuellen Ausstellung "Mies van der Rohes Revolutionsdenkmal" nach. Ludwig Mies van der Rohe kam zufällig durch seine Bekanntschaft mit dem Kunstmäzen Eduard Fuchs zu dem Projekt. Das Denkmal entstand 1926 im Auftrag der KPD. Es sollte an die Revolutionsgefallenen von 1919 erinnern, darunter auch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Deren ursprüngliche Grabsteine sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Politisches Symbol

Das Denkmal hatte nicht nur ästhetischen Wert, sondern war auch ein politisches Symbol: "Ziel der KPD war es, das Revolutionsdenkmal mit den Gräbern zu einem Wallfahrtsort zu machen", erklärt Thomas Thiele. Die politische und ästhetische Bedeutung löschten die Nationalsozialisten 1935 mit der Einebnung der Gräberfelder und der Zerstörung des Denkmals aus. Doch selbst die SED war an einer Wiedererrichtung wenig interessiert. "Die Ästhetik des Denkmals galt als bürgerlich dekadente Kunst", weiß Thiele. Stattdessen entstand, auch weitaus prominenter im vorderen Bereich des Zentralfriedhofs, 1951 die Gedenkstätte der Sozialisten mit ihren Ehrengräbern.

Bis heute ist es jedoch das Revolutionsdenkmal, das nachwirkt. Immer wieder wird deshalb über die Rekonstruktion des Baus diskutiert. Ob es gelingen würde, seine Essenz wieder greifbar zu machen, scheint aber fraglich. Im Rahmen der Ausstellung wird deshalb die Diskussion um Erinnerungsorte und deren Funktion aufgegriffen. Am 17. April wird Holger Hübner über solche Orte in Friedrichsfelde und Zehlendorf im Museum Lichtenberg referieren, Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

Weitere Infos im Internet: www.museum-lichtenberg.de

Karolina Wrobel / KW
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