Nach Abschaffung der Container haben Mieter weite Wege

Lichtenberg. "Wohin mit dem Altglas?" Diese Frage diskutierte die Fraktion Die Linke in einer öffentlichen Sitzung mit Experten und Mietern. Anlass waren viele Klagen vor allem älterer Lichtenberger, die nach der Abschaffung der Hausglastonnen nun lange Wege zu den Iglus haben.

"Rund 10.000 haushaltsnahe Altglastonnen mussten wir entfernen", so Jürgen Richlitzki, Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Berlin Recycling. In Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick stünden lediglich noch 6000 der Hausglascontainer. "Uns tut es leid, dass es so gekommen ist", sagte Richlitzki in der öffentlichen Sitzung. Die Berlin Recycling führe nur einen Auftrag aus. Der resultiere aus einer Vereinbarung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit dem Unternehmen Duales System Deutschland GmbH. Duales System organisiert die Sammlung und Sortierung von Verpackungen mit dem Grünen Punkt in Berlin.

Der Grund für die Vereinbarung, die Hausbehälter abzuschaffen: zu viel Abfall in den Containern, der dort nicht hineingehört. Das erschwere das Sortieren der Glassorten, erläuterte die Abgeordnete Marion Platta (Linkspartei), die sich im Parlament mit der Thematik beschäftigt. "Durch den Abtransport zerbricht das Glas in feinste Scherben, das macht das Sortieren fast ganz unmöglich".

Die Linke hat sich bereits per Antrag dafür eingesetzt, dass die seit November 2013 entfernten Hausglascontainer zurückkommen. "Der Vertrag zwischen der Senatsverwaltung und der Duales System ist nicht vor 2015 zu kippen", dämpfte der Stadtrat für Ordnungsaufgaben in Lichtenberg, Andreas Prüfer (Die Linke), aber die Hoffnungen.

Vor allem ältere Bürger beklagen den Wegfall der Hausglastonnen. Sie tragen leere Flaschen und Gläser nun zu den Altglas-Iglus, die in unregelmäßigen Abständen auf öffentlichem Straßenland stehen. Mitunter bedeutet das lange Wege, auch wenn in Lichtenberg rund 450 solcher Container an 150 Stellen stehen.

Der Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Optimaro, Mike Riegler, bietet nun ein eigenes Altglas-Management an. Er holt es direkt bei den Mietern ab. Die kostet das nichts, weil die Firma das Altpapier aus den Blauen Tonnen gleich mit entsorgt.

"Solche praxisnahen Lösungen sind schön, aber nicht generell anwendbar", so der Umweltexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Tobias Quast. Tatsächlich bezahlen die Bürger beim Kauf von Verpackungen deren Entsorgung schon mit. Jede mit dem Grünen Punkt versehene Verpackung ist lizenziert.

Die meisten Menschen seien ja gewillt, Altglas und Müll richtig zu entsorgen, so Quast. Trotzdem lande in den Tonnen jeweils Abfall, der dort nicht hineingehöre. Um das zu verhindern, startet die Entsorgungsfirma Berlin Recycling nun ein Pilotprojekt in Lichtenberg.

In den Postleitzahlgebieten 10315, 10317, 10318 und 10319 will sie alle noch verbliebenen Hausglastonnen gegen neue austauschen. Während bei den alten Behältern der komplette Deckel zu öffnen war und so auch große Gegenstände darin landen konnten, sind die Deckel der neuen Tonnen verschlossen. "Durch die kleine, kreisrunde Öffnung im Deckel passen nur noch handelsübliche Gläser", so Jürgen Richlitzki.


Karolina Wrobel / KW
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