Die Soziale Wohnhilfe des Bezirksamtes berät von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen

Menschen ohne Wohnung fanden in den vergangenen Monaten bei der Berliner Kältehilfe ein Obdach auf Zeit. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Das kann schnell zum Problem werden: Wenn die Miete nicht mehr bezahlt wird, Mahnungen ignoriert werden und schließlich die Kündigung der Wohnung droht. Oft kann ein Berater der Sozialen Wohnhilfe den Wohnungsverlust noch verhindern. Auch kirchliche Stellen helfen.

"Die Wohnungsarmut ist gesellschaftlicher Sprengstoff und fördert die Radikalisierung. Das Problem ist in der Mittelschicht angekommen", sagt Ulrike Kostka. Die Direktorin der Caritas fordert von der Politik, den weiteren Anstieg der Mieten zu verhindern und endlich mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Kostka beobachtet, dass immer mehr Menschen auch aus der Mittelschicht die Hilfseinrichtungen und -angebote der Caritas aufsuchen. Das ist etwa die Ambulante Wohnungslosenhilfe, die im Bezirk Lichtenberg am Anton-Saefkow-Platz 3-4 zu finden ist. Sie hilft weiter, wenn ein Mieter die Kündigung bereits in den Händen hält und unterstützt bei Behördenangelegenheiten. "Es sind nicht nur Mietschulden, auch Energieschulden können zum Wohnungsverlust führen. Doch es gibt nicht selten auch psychosoziale Gründe. Meistens verzahnen sich die Ursachen", erklärt die Caritas-Chefin. Die Betroffenen erstarren nicht selten vor dem Berg an angehäuften Problemen. "Briefe werden nicht mehr aufgemacht". Oft suchen die Menschen die kirchlichen Hilfeeinrichtungen erst auf, wenn die Wohnung bereits verloren ist.

Dabei kann die Abwärtsspirale gestoppt werden. Der Bereich Soziale Wohnhilfe im Sozialamt des Bezirksamtes kann im Vorfeld beraten, wie ein Wohnungsverlust zu verhindern ist. Und immer mehr Menschen haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Das zeigt die gestiegene Zahl der Beratung durch das Sozialamt: Führten die Berater der Sozialen Wohnhilfe im Jahr 2013 noch insgesamt 9389 Beratungen durch, waren es 2016 insgesamt 10182 Beratungen. Sie werden fast zur Hälfte präventiv geführt, also um den Betroffenen das Wohnen in ihrer jetzigen Wohnung weiter zu ermöglichen.

Die andere Hälfte der Fälle sind Beratungen von Menschen, die ihre Wohnung bereits verloren haben. "Wir haben zunehmend mit Obdachlosen zu tun, die schon als Obdachlose nach Berlin gekommen sind", weiß die Sozialstadträtin Birgit Monteiro (SPD). Das seien zum Teil Geflüchtete, aber auch Arbeitsmigranten aus der Europäischen Union.

In Lichtenberg ist die Soziale Wohnhilfe um eine frühe Lösung der Probleme für die Betroffenen bemüht: "Wir haben das Team erst kürzlich um zwei Sozialarbeiter und einen Unterbringungskoordinator aufgestockt", sagt Monteiro. Zu deren Aufgaben gehören auch Hausbesuche.

"Wir erhalten Informationen zu Wohnungsräumungen vom Jobcenter oder direkt vom Betroffenen", sagt die Stadträtin. Immer geht es beim Hausbesuch darum, sich vor Ort ein genaues Bild zu verschaffen. Nur so lässt sich erkennen, wenn einem Betroffenen mit Mietzuschüssen allein nicht geholfen ist, sondern aufgrund der schwierigen Lebenssituation eine sozialpädagogische Betreuung notwendig wird. Das können Schicksalsschläge sein oder psychische Erkrankungen.

Die Besuche sind aber auch eine Kontrolle. Denn es gibt Betrüger, die sich eine Mietübernahme erschleichen wollen. "Manchmal sind aber sind die Wohnungen in einem so schlechten Zustand, dass die geforderte Miete in keinem Verhältnis dazu steht", weiß die Stadträtin. Das Amt berät dann die Betroffenen, ihre Rechte durchzusetzen. KW
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