Freie Träger fordern eine bessere Bezahlung der Jugendarbeit

Schlechte Finanzierung der Jugendarbeit beanstandet der Träger der Kinderbude am Malchower Weg. Die Einrichtung schließt Ende 2014. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Mit fast 29 Euro pro Stunde wird die Jugendarbeit in Lichtenberg sehr viel besser bezahlt, als in anderen Berliner Bezirken. Das sagt Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Die Geschäftsführer und Vorstände freier Träger bestehen im Bezirk trotzdem auf eine Erhöhung auf 31 Euro.

"Die finanzielle Schraube dreht sich für unsere Mitarbeiter immer mehr nach unten: Seit 2006 gab es keine Tariferhöhung mehr", sagt Silvia Bellack. Sie ist Sprecherin des Lichtenberger Beirates für Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Familienförderung.

Rund 30 Mitglieder zählt dieser Beirat, der ausschließlich aus Geschäftsführern und Vorständen freier Träger der Jugendhilfe besteht. Darunter sind der Verein Familienanlauf, den Silvia Bellack als Geschäftsführerin leitet, die gemeinnützige GmbH firmaris und der Verein für ambulante Versorgung Hohenschönhausen.

Mit einem jüngst veröffentlichten Positionspapier will der Beirat nun eine Diskussion um eine bessere Finanzierung der Jugendfreizeiteinrichtungen im Bezirk anstoßen. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig, denn bis Oktober verhandeln die freien Träger mit dem Bezirksamt den Kosten- und Leistungsrahmen für die neuen Verträge.

Bisher bezahlt Lichtenberg Fachkräften wie etwa Jugendsozialarbeitern bei freien Trägern 28,91 Euro pro Stunde. Der Beirat fordert in dem Positionspapier eine Erhöhung auf 31 Euro. Die Erhöhung sei gerechtfertigt, argumentiert Bellack, da seit Jahren keine Tarifanpassungen mehr stattfanden und sich zugleich die Sach- und Betriebskosten für die freien Träger erhöht hätten. Bereits jetzt seien die Löhne in Lichtenberg "vergleichsweise komfortabel", argumentiert Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) in seiner Antwort auf das Positionspapier. "Alle elf anderen Bezirke bezahlen für die gleiche Leistung pro Stunde etwas mehr als die Hälfte unserer Summe", wirft Geisel ein. Vom Land Berlin bekommt der Bezirk nur etwa 14 Euro pro Stunde an Geld zugewiesen. Dass die Rechnung bisher überhaupt aufgeht, dafür sorgt ein besonderes Modell für die Jugendarbeit in Lichtenberg. Denn lediglich 70 Prozent aller Stunden in den Jugendfreizeiteinrichtungen werden überhaupt von Fachkräften erbracht. Rund 30 Prozent aller Stunden übernehmen Ehrenamtliche und preiswerte Honorarkräfte.

Diese Quote funktioniert lediglich auf dem Papier, argumentiert dagegen Silvia Bellack. "Ein Großteil der Jugendfreizeiteinrichtungen kämpft mit dem Problem, Ehrenamtliche für die Arbeit zu gewinnen. Und dann müssen diese Ehrenamtlichen ja auch von den Mitarbeitern fachlich geleitet werden." Eine qualitativ gute Jugendarbeit könne auf diese Weise auf Dauer nicht funktionieren. Deshalb fordert der Beirat in seinem Positionspapier auch gleichzeitig, den Anteil an ehrenamtlichen Stunden in den Jugendfreizeiteinrichtungen auf 10 Prozent zu senken. Damit würden 90 Prozent der Stunden von Fachkräften geleistet.

Silvia Bellack will durchaus anerkennen, dass Lichtenberg höhere Löhne bezahlt als andere Bezirke. "Der Bezirk nimmt den gesellschaftlichen Auftrag für die Jugendarbeit wahr, darüber sind wir sehr glücklich." Ob das reicht, das soll mit Hilfe des Positionspapiers nun diskutiert werden. "Wir wollen einen offenen Dialog", so Bellack. So sollte in einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses über das Quoten-Modell im Bezirk diskutiert werden.

Schon jetzt schließt Bellack jedoch mögliche Konsequenzen aus, die aus dem Positionspapier resultieren könnten: "Eine Schließung von Jugendfreizeiteinrichtungen zugunsten der Erhöhung von Löhnen wird es nicht geben", sagt sie.

Der Bürgermeister will zwar der Debatte im Jugendhilfeausschuss nicht vorgreifen, gibt jedoch im Vorfeld zu bedenken: "Schon heute ist für die nächsten Haushaltsjahre zu erkennen, dass unser bezirkliches Gesamtbudget für die Sach- und Personalausgaben weiter schrumpft. Den Jugendetat auf dem heutigen Stand zu halten, wäre schon eine erhebliche Leistung."


Karolina Wrobel / KW
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