Friedhof als Unterkunft für Flüchtlinge umstritten

Lichtenberg. Offenbar ist das Ringen um neue Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen doch nicht beendet. Umstritten ist ein etwas ungewöhnlicher Platz: der Friedhof in der Konrad-Wolf-Straße 33/34.

Viele Listen mit möglichen Standorten für die Flüchtlingsunterbringung waren in den vergangenen Wochen im Gespräch. Am 29. Februar schien die Entscheidung gefallen. Sowohl das Bezirksamt als auch die Senatsverwaltung für Finanzen haben Listen veröffentlicht, und sie hatten einen Standort gemein: den St. Andreas-St. Markus-Friedhof in der Konrad-Wolf-Straße. Hier sei die Errichtung einer Modularen Unterkunft (MUF) geplant. Richtig verärgert darüber ist Pfarrer Jürgen Quandt, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofverbands Berlin Stadtmitte, Eigentümer des Friedhofs: "Wir werden diese Fläche nicht zur Verfügung stellen. Der Standort ist einfach ohne Rücksprache mit uns veröffentlicht worden." Das sei auch kein Fehler, wie die Sprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen, Eva Henkel, auf Nachfrage bestätigt: "Die Angabe auf der Liste ist korrekt. Hier gibt es zwischen unserer Verwaltung und dem Bezirk eine enge Abstimmung". Doch Henkel ergänzt vorsichtshalber: "Die Liste ist ein Zwischenstand".

Das hebt auch Bürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) hervor. Sie sagt, der Senat hätte die Liste vorgelegt: "Die Adresse gehört nicht auf die Liste, weil der Eigentümer sie gar nicht zur Verfügung stellen will." Monteiro habe sich beim Friedhofsverband nachträglich erkundigt. Doch den Standort streichen, "das kann nur die Senatsverwaltung tun", so Monteiro.

Der Bezirk hatte schon in der Vergangenheit signalisiert, dass der Friedhof ungeeignet sei. Warum landete er trotzdem auf der Liste? Jürgen Quandt hat eine mögliche Antwort. Er räumt ein, dass sein Verband vor geraumer Zeit eine "Liste mit Potenzialflächen" an den Staatssekretär für Soziales, Dirk Gerstle (CDU), ausgehändigt hatte. "Hier ging es um die Überlegung, dass wir nicht mehr genutzte Friedhofsflächen neu entwickeln wollten." Daraufhin, so mutmaßt Quandt, sei die Liste vom Land Berlin "oberflächlich zusammengestellt" worden.

Deshalb sind Nachbesserungen fällig. Einige Standorte wurden bereits gestrichen. Darunter der in der Darßer Straße und der Am Breiten Luch. KW
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