Protest gegen Kappung der S75

Martin Pätzold (links) und Danny Freymark übergaben vor einigen Tagen über 1700 Unterschriften gegen die Kürzung der S 75 an Senatorin Regine Günther. (Foto: privat)

Lichtenberg. Ohne Umsteigen von Wartenberg zum Westkreuz – die S-Bahn macht’s möglich. Aber nicht mehr lange. Die Senatsverkehrsverwaltung will die Linie S75 kappen, die Züge sollen nur bis zum Ostbahnhof fahren. In Lichtenberg formiert sich Protest.

Mit einem Schreiben an die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther (parteilos für Bündnis90/Die Grünen) hatten die beiden CDU-Abgeordneten Martin Pätzold und Danny Freymark bereits im Januar die Initiative ergriffen. Sie wollen, dass der Senat die beabsichtigte Kürzung der S-Bahnlinie 75 zurücknimmt. Vor wenigen Tagen bekam die Senatorin nun Besuch von den Lichtenberger Politikern – im Gepäck hatten sie 1500 Unterschriften und 250 Postkarten gegen die Pläne. „Rund 2000 Menschen haben sich persönlich, mit Unterschriften, Postkarten und E-Mails bei uns gemeldet“, sagt der Bundestagsabgeordnete Martin Pätzold. „Das zeigt uns, dass die Linie S75 eine wichtige Verkehrsanbindung ist, von der viele Menschen im Bezirk tagtäglich profitieren.“

Hintergrund: Im Zuge der Umbauarbeiten am Bahnhof Ostkreuz und des nächsten Fahrplanwechsels soll es im Berliner S-Bahnnetz einige Veränderungen geben – unter anderem für die Linie S75. Für deren Fahrgäste wird nach aktuellem Stand statt am Westkreuz bereits am Ostbahnhof, während der Bauarbeiten sogar schon am Ostkreuz oder in Lichtenberg Endstation sein. Wer weiter westwärts will, muss umsteigen. Bislang fuhr die S75 im Zehn-Minuten-Takt von Wartenberg zum Westkreuz. Die beiden CDU-Politiker werten die Pläne als einen weiteren Einschnitt für S-Bahnkunden aus dem Norden des Bezirks Lichtenberg. Denn vor zehn Jahren führte die Linie noch vom Bahnhof Wartenberg bis nach Spandau.

Mit der beabsichtigten Kappung würde eine wichtige Direktverbindung vom bevölkerungsreichen Hohenschönhausen ins Berliner Zentrum und in den Westteil der Stadt wegfallen, kritisiert Danny Freymark, Mitglied des Abgeordnetenhauses. „Wir haben bereits mehrfach deutlich gemacht, dass der Erhalt der Linie ein zentrales Thema für unsere Region ist. Die vielen Rückmeldungen bestärken uns. Deshalb werden wir auf jeden Fall am Ball bleiben."

Ob sich noch etwas ändern lässt, ist aktuell schwer zu sagen. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ließ eine Nachfrage der Berliner Woche bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Martin Pätzold räumt ein, dass Regine Günther bei der Unterschriftenübergabe zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Verbindliches habe er aber vermisst. Danny Freymark, der selbst in Alt-Hohenschönhausen lebt, will nun schnell einen Antrag im Berliner Abgeordnetenhaus auf den Weg bringen. Damit wollen die Politiker erreichen, dass die S75 künftig wenigstens im 20-Minuten-Takt von Wartenberg bis zum Westkreuz durchfährt. Beide sehen auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in der Pflicht. Die hatte sich im vergangenen Sommer für den Erhalt der S-Bahnlinie 75 in ihrer jetzigen Form ausgesprochen. bm
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