Zu viel Krach von Zügen? Öffentlichkeitsbeteiligung für Lärmaktionsplan läuft

S-Bahnen, Regional- und ICE-Züge, Güterwaggons: Rund um den Bahnhof Lichtenberg sind die Anwohner massivem Schienenlärm ausgesetzt. (Foto: Berit Müller)
 
Züge fast unmittelbar vor der Haustür: Tausende Berliner leben mit dieser Situation. (Foto: Berit Müller)

Lichtenberg. Flugzeuge, Hauptverkehrsstraßen, Schienen: In Großstädten sind die Menschen unzähligen Lärmquellen ausgesetzt. Doch Krach macht krank. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beteiligt daher die Öffentlichkeit an seinem Lärmaktionsplan – bis zum 25. August sind Hinweise betroffener Anwohner ausdrücklich erwünscht.

Rund um den Bahnhof Lichtenberg, in Friedrichsfelde, Rummelsburg und in Richtung Norden zwischen Frankfurter Allee und Storkower Straße: Wer dort in der Nähe der Gleisanlagen wohnt, muss besonders laute Schienengeräusche ertragen. Das geht aus der Lärmkarte des Eisenbahn-Bundesamtes hervor, einzusehen unter http://asurl.de/13gy.

Eine detaillierte Aufschlüsselung belasteter Quartiere in den Bezirken gibt es zwar nicht – laut Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr leben in der Hauptstadt aber insgesamt fast 32.000 Menschen, die tagsüber in ihren Wohnungen Pegeln zwischen 60 und 65 Dezibel durch Schienengeräusche ausgesetzt sind. 24.500 Menschen müssen nachts Lautstärken zwischen 55 und 60 Dezibel aushalten. Beide Werte gelten als Lärm.

Weil zu viel Krach erwiesenermaßen gesundheitsschädlich ist, hatte die Europäische Union bereits zu Beginn der 2000er Jahre Richtlinien zur Bekämpfung von Umgebungslärm aufgestellt. Für die erste und zweite Runde der damit verbundenen Lärmaktionsplanung für Bahnstrecken war noch das Land Berlin zuständig. Seit dem 1. Januar 2015 ist es nun aber das Eisenbahn-Bundesamt. Die Behörde will den Aktionsplan veröffentlichen, sinnvolle Strategien und Maßnahmen zur Lärmminderung sollen folgen.

Das Eisenbahn-Bundesamt erstellt das Papier im Fünf-Jahrs-Turnus für die Haupteisenbahnstrecken – das sind Schienenwege, über die mehr als 30.000 Züge pro Jahr rollen. Das nächste Konzept soll 2018 fertig sein. Hinweise und Vorschläge von betroffenen Anwohnern gehen bis zum 25. August ans EBA, entweder im Internet unter https://www.laermaktionsplanung-schiene.de oder auf dem Postweg an: Redaktion Lärmaktionsplanung, Postfach 601230 in 14412 Potsdam.

Sämtlichen Zuschriften, aber auch Lärmschutzinitiativen und Kommunen helfen dem Eisenbahn-Bundesamt, den neuen Aktionsplan aufzustellen. Zudem gebe die Öffentlichkeitsbeteiligung die Möglichkeit, die Situation von durch Schienenlärm belasteten Menschen genau zu analysieren, teilt die Senatsumweltverwaltung mit. Einmal ausgewertet, seien dann langfristige Maßnahmen zur Abhilfe zu entwickeln, damit Anwohner von Bahnstrecken weniger unter den Geräuschen leiden. Möglich seien Modifikationen direkt am Zug, um geringere Fahrgeräusche zu erreichen oder Baumaßnahmen an der Strecke in Form von Lärmschutzwänden. Infrage käme auch passiver Lärmschutz an Gebäuden, zum Beispiel Schallschutzfenster.

Die Zuschriften werden, falls das gewünscht wird, auf der Internetplattform des Eisenbahnbundesamtes veröffentlicht und in anonymisierter Form im Lärmaktionsplan dargestellt.

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erstellt darüber hinaus bis 2018 einen landesweiten Lärmaktionsplan für Berlin. bm
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