67.000 "Denkmäler" für Ernst Litfaß

Berliner Litfaßsäule
Das wilde Plakatieren im lebendigen Berlin der 1850er Jahre empfand Ernst Theodor Amandus Litfaß mehr als störend. So kam der 1816 in Berlin geborene und 1874 in Wiesbaden verstorbene Druckereibesitzer und Verleger auf die Idee einer Plakatsäule.
Seine Erfindung, die nach ihm benannte Litfaßsäule, ist noch heute im Stadtbild zu sehen.

Bekanntmachungen und Werbung für Orchesteraufführungen, Theatervorstellungen oder für den Zirkus wurden damals (heute leider auch wieder) wild an Mauern und Häuserwände geklebt. Deshalb nahm sich Litfaß die Städte Paris, Brüssel und London, die er mehrmals bereist hatte, zum Vorbild es ähnlich zu machen

Am 5. Dezember 1854 erhielt er vom Polizeipräsidenten von Hinckeldey die Konzession zur „Errichtung einer Anzahl von Anschlagsäulen auf fiskalischem Straßenterrain zwecks unentgeltlicher Aufnahme der Plakate öffentlicher Behörden und gewerbsmäßiger Veröffentlichungen von Privatanzeigen“.

Am 15. April 1855 wurde die erste Säule an der sogenannten „Ziegenbockswache“ in der Münzstraße (Berlin-Mitte) errichtet, aber erst am 1. Juli 1855 wurden 100 Säulen und 50 Brunnenumhüllungen öffentlich präsentiert.

In den folgenden Jahren errichtete Litfaß weitere solcher Reklameträger. Durch seine Weitsicht erkannte Litfaß früh das kommende Geschäft der Reklame und sicherte sich das alleinige Recht zur Plakatierung für Berlin, wodurch er später zu großem Reichtum kam.

Kein Deutscher hat mehr "Denkmäler"


Dass man mit der Litfaßsäule an zentralen Orten auffällig werben konnte, wird auch dadurch bestätigt, dass nach dem Tod des Buchdruckers Litfaß in ganz Deutschland solche Säulen aufgestellt wurden. Heute gibt es noch 67.000 Litfaßsäulen in ganz Deutschland, wovon etwa 50.000 zur Werbung für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Keinem zweiten Deutschen wurden je so viele „Denkmäler“ gesetzt wie Ernst Litfaß.

Eine Litfaß-Säule in Bronze erinnert seit 2006 in der Münzstraße an der Stelle an ihn, wo einst seine erste Annonciersäule stand. Text: Klaus Tolkmitt

Foto: Klaus Tolkmitt
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