BVG baut künstliche Barriere für Rollstuhlfahrer

Der neue Mast stört. Gerda Stalla aus Lichtenrade musste schon einige Male draußen bleiben. (Foto: HDK)

Lichtenrade. Rollstuhlfahrer haben kein leichtes Leben. Manchmal wird es ihnen zudem auch noch regelrecht schwer gemacht. Zum Beispiel an der Bushaltestelle Lichtenrader Damm, Ecke Buckower Chaussee.

Kurz vor dem Jahresende stellte die BVG dort Masten mit digitaler Fahrplanauskunft (X76 und M76) auf. Das nun in beide Richtungen bestehende Problem: Die Haltestellen sind so ausgelegt, dass die meisten Busse mit der Mitteltür samt ausklappbarer Rampe direkt vor dem Mast halten. Die Folge: Kein Durchkommen für Rollstuhlfahrer - weder rein noch raus. Auch mit Kinderwagen oder Rollator ist das ein Problem. Vorverlegungen der Haltestellen sind aufgrund von Grundstückszufahrten nicht möglich. Zurück geht auch nicht, weil zwei zeitgleich eintreffende Busse (kommt sehr oft vor) den durch Ampeln geregelten Fußgängerüberweg an der großen Kreuzung versperren würden.

Von der Berliner Woche mit der Situation konfrontiert und nach einer kurzfristig anberaumten Prüfung vor Ort, brachte es anschließend BVG-Sprecherin Petra Reetz in erfrischend selbstkritischer Weise so auf den Punkt: "Das ist wirklich ein bisschen Schildbürger und geht so selbstverständlich nicht." Damit wurde Ende vergangener Woche auch der in Kürze geplante Digitalanschluss der zurzeit noch überklebten Anzeigetafeln auf unbestimmte Zeit verschoben. Sobald die Witterung es zulässt und das Bezirksamt die nötigen Genehmigungen erteilt hat, sollen die Masten wieder ausgebuddelt und an anderer Stelle gesetzt werden.

Übrigens: Vor etwa 15 Jahren hatte sich die BVG aus ähnlichen Gründen und auf Intervention von Rollstuhlfahrerin Gerda Stalla aus Lichtenrade mit der Post angelegt und gewonnen. Jedenfalls wurde die Barriere 1998, ebenfalls nach einem kurzfristig anberaumten Ortstermin, sang- und klanglos entfernt. "Exakt dort, wo jetzt der Mast steht, stand damals ein Briefkasten, der dann einfach ein paar Meter verlegt wurde", erinnert sich Stalla und erzählt, dass sie, seit die neuen Masten stehen, schon einige Male nicht mit konnte, weil sie mit ihrem Gefährt nicht durch die Bustür passte. Busfahrer dürfen im Ernstfall zwar ein paar Meter vorfahren, aber kein Stück zurück. "Bis zur Lösung des Problems", so Reetz, "sind die Fahrer angewiesen, wenn ein Rollstuhl an der Haltestelle wartet, mit einem entsprechenden Abstand zum Bürgersteig zu halten, damit die Rampe ausgeklappt und der Rolli mitgenommen werden kann." Im Klartext: Anhalten in zweiter Spur.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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