Keine verbindlichen Aussagen zum Bau der Dresdner Bahn

Wenn die S-Bahn durchfährt, wird der Verkehr in der Bahnhofstraße gestoppt. Kämen die Fernbahngleise dazu, müsste eine Lärmschutzwand her. (Foto: HDK)

Lichtenrade. Die Geschichte um den Ausbau der Dresdner Bahntrasse geht weiter. Seit mehr als 15 Jahren kämpft die Bürgerinitiative "Dresdner Bahn" gegen eine ebenerdige Schienenverlegung und fordert den Bau eines Tunnels.

Wie berichtet, sah es Anfang des Jahres für einen Moment so aus, als ob die Deutsche Bahn nach über eineinhalb Jahrzehnteneinlenken und den Wünschen der Lichtenrader nachkommen würde.

Der Grund für den zwischenzeitlich schon wieder verflogenen Optimismus: Bahnchef Rüdiger Grube hatte im Januar vor Bundestagsabgeordneten und sehr zur Freude der Bürgerinitiative erstmals die Bereitschaft zu einem Tunnelbau erklärt. Ende Februar, schrieb Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, der BI einen Brief in dem er unter anderem mitteilte, dass sich die Bahn mit dem Land Berlin und dem Bund einig sei, "das Thema Dresdner Bahn in Lichtenrade schnell einer Lösung zuzuführen" und, dass auch das Bundesverkehrsministerium eingebunden sei. Das Wörtchen Tunnel kam nicht vor.

Knackpunkt sind dafür nach wie vor die Mehrkosten, die der Bau verursachen würde. Allerdings: Außer dass sich sowohl die ebenerdige Schienentrasse als auch die Tunnellösung auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren dürfte, kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen, um wie viel ein Tunnel teurer würde. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit Gesamtkosten in Höhe von rund 380 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn. "Wesentliche Voraussetzung einer Lösung ist die Finanzierbarkeit. Da zum heutigen Tag dazu noch keine belastbaren Erkenntnisse vorliegen, können wir darüber keine verbindlichen Aussagen treffen", so Bahnmanager Leuschel. Expertenschätzungen gehen neuerdings sogar von bis zu Hundert Millionen Euro Mehrkosten aus, falls auch die bestehende S-Bahn in den Tunnel verlegt werden sollte. Andernfalls droht dem Ortsteil die Teilung durch eine Lärmschutzwand quer über die Bahnhofstraße.

Das Bundesverkehrsministerium sieht jetzt den Senat in der Pflicht. Der hat bislang lediglich angeboten, dass sich Berlin "in erheblichem finanziellen Umfang" an einer Tunnellösung beteiligen würde und das auch in den rot-schwarzen Koalitionsvertrag von 2012 hineingeschrieben: "Das Land Berlin setzt sich beim Bund für eine Tunnelführung der Dresdner Bahn im Bereich Lichtenrade ein, unter Berücksichtigung des entsprechenden Landesanteils." Nun ist die unendliche Lichtenrader Tunnelgeschichte auch im Bundestag angekommen. Die Grünen werfen dem Senat vor, den Ausbau der Dresdner Bahn in Lichtenrade trotz der Bereitschaft der Deutschen Bahn, dort einen Tunnel zu bauen, zu verzögern. Das sieht die Bürgerinitiative vor Ort ähnlich und fordert, dass das Land "endlich handelt", so der BI-Vorsitzender Manfred Beck. Diese Sicht der Dinge weist Daniela Augenstein, Sprecherin vom zuständigen Stadtplanungssenator Michael Müller (SPD), zurück und erklärt, dass es von Seiten der Bahn noch keine Aussage gäbe, "ob ein Tunnel gewollt ist". Und: "Wenn die Bahn bereit ist, eine Tunnellösung umsetzen zu wollen, ist Berlin bereit, sich zu beteiligen." Das Schwarze-Peter-Spiel geht also munter weiter.


Das Aussitzen geht weiter

Ein Kommentar von Horst-Dieter Keitel


Von Anfang an verfolge und berichte ich über die Lichtenrader Tunnelchose. Und von Anfang an hoffen die dort Betroffenen nicht zuletzt auch auf ein Machtwort des Bundesverkehrsministers.

Allerdings ist inzwischen schon der siebte oder achte Minister im Amt und noch kein Schienstück ist verlegt, geschweige denn eine verbindliche Entscheidung der Trassenführung - ob ober- oder unterirdisch - in Sicht. Und dass der aktuelle Verkehrsminister Alexander Dobrindt der Bahn Beine oder sich für den Tunnel stark macht, darf nach dem bisherigen Verlauf wohl bezweifelt werden. Schließlich haben alle Minister eine Entscheidung bislang tunlichst vermieden und ausgesessen.

Aus Politikersicht, und das gilt insbesondere für die Berliner Stadtregierung, ist und bleibt der Tunnel ein scheinbar unkalkulierbares Risiko. Denn ohne die Zuzahlung der Stadt in mindestens zweistelliger Millionenhöhe im mittleren Bereich wird es keinen Tunnel geben. Im Zweifelsfall wird Lichtenrade verlieren.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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