Ehemaliges Truppenübungsgelände "Parks Range" ist Denkmal des Monats

Heute weiden auf dem Gelände zwischen Landweg und Osdorfer Straße Pferde. (Foto: K. Rabe)
Berlin: Parks Range |

Lichterfelde. Dort, wo in den nächsten Jahren eines der größten Wohnungsbauvorhaben realisiert wird, weisen noch vereinzelte Spuren auf die wechselvolle Vergangenheit des Areals am Rand von Lichterfelde-Süd hin. Das Gelände der ehemaligen Parks-Range ist im Dezember das Denkmal des Monats.

Bis in die 1930er-Jahre befand sich am Rande von Lichterfelde, auf dem Gelände zwischen heutigem Osdorfer Straße, Réaumurstraße und Landweg, eine Feldflur. Das von Gräben und Wegen durchzogene Areal war geprägt von Ziegeleien und Landwirtschaft.

1938 wurde das stadteigene Gebiet durch das Deutsche Reich enteignet. Geplant war, neben dem 4. Autobahn-Ring auch ein Reichsbahnausbesserungswerk für Lokomotiven zu errichten. Außerdem sollten die elf im damaligen Reich verteilten Versuchsämter für die Erprobung neuer Bahntechnik auf diesem Gelände zusammengeführt werden. Dafür war ein Neubau geplant. 1100 Arbeitsplätze sollten entstehen. Geplant war auch eine Werkssiedlung mit 450 Wohnungen. Für die meisten Bauvorhaben wurde allerdings lediglich das Fundament gegossen. Umgesetzt wurde keines der Vorhaben.

1940 dann begann ein unrühmliches Kapitel. Auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht wurden am Landweg und der Osdorfer Straße Baracken für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter errichtet. Einige der Gebäude stehen heute noch und werden vereinzelt von den ansässigen Gewerbebetrieben genutzt.

Truppenübungsplatz der US-Army

Ab 1953 nutzte die US-Army eine 72 Hektar große Fläche des Gebietes hinter den Gewerbebetrieben als Truppenübungsplatz, der heute noch als Parks-Range bekannt ist. Auf dem Gelände befanden sich eine Hindernisbahn und 23 Gebäude, von denen 18 dem Ausbildung im Häuserkampf dienten. Diese Kampfanlage wurde von der Bevölkerung „Geisterstadt“ genannt.

Um den Häuserkampf möglichst realistisch nachzubilden, baute die US-Berlin-Brigade einen Abschnitt der Berliner Kanalisation, eine Hochbahnstation auf einem Bahndamm, eine Kirche, ein Rathaus und mehrstöckige Betonhäuser nach. Als Relikte dieser Zeit blieben Aufschüttungen, Wege, der Bahndamm mit den Gleisen, eine Hubschrauberlandeplatz und Reste unterirdischer Anlagen zurück.

Wohnungen sollen entstehen

Nach dem Abzug der Alliierten 1994 hat die Reitgemeinschaft Holderhof das Projekt „halboffene Lichterfelder Weidelandschaft“ hier etabliert. Aktuell entwickelt die Groth-Gruppe 96 Hektar des Geländes. Auf 39 Hektar soll am Rand des ehemaligen Truppenübungsplatz eines der größten Wohnungsbauvorhaben Berlins verwirklicht werden. KaR/ Quelle: Christoph Noack, Untere Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf
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