In Hacky’s Pub hängt ein neuer Gast an der Wand

Der Künstler Horst-Dieter Keitel, sein Model Olaf Liesenfeld und Günter Hacker in der Kiezkneipe „Hacky’s Pub“ an der Moltkestraße. (Foto: K. Menge)
Berlin: Hackys Pub |

Lichterfelde. Sie ist gewissermaßen das Who is Who von Lichterfelde: Die Porträt-Galerie in „Hacky’s Pub“. An den dunkel getäfelten Wänden hängen über 70 Porträts von Persönlichkeiten aus dem Kiez. Gezeichnet hat sie in den 1980er-Jahren der Maler Horst-Dieter Keitel. Jetzt hat Kneipier Günter Hacker diese Kneipentradition wieder aufleben lassen.

Das Konterfei von Olaf Liesenfeld ist noch ganz frisch. Es ist das erste Porträt, das nach einer 25-jährigen Pause in der Kneipe an der Moltkestraße 50 einen Platz an der Wand findet. "Das ist schon eine Ehre“, sagt Liesenfeld. Der Alt-Licherfelder ist langjähriger Stammkunde des Pubs.

Mit wenigen Strichen hat der Maler Horst-Dieter Keitel das Charakteristische einer jeden Persönlichkeit auf dem Papier festgehalten. „Das erfordert höchste Konzentration“, sagt er. Denn bei den Feder- oder Filzstiftzeichnungen muss jeder Strich sitzen. Was einmal auf dem Papier ist, bleibt und ist unveränderbar. Die ersten Zeichnungen sind Anfang der 80er-Jahre entstanden. „Ich wollte damals etwas mehr Farbe an die dunkle Täfelung der Wände bringen“, sagt Hacker über seine Idee. Er kannte Keitel, der damals im Kiez wohnte, als Künstler und Stammgast. Das „Geschäft“ war schnell besiegelt. „Hacky hat Fotos von den Leuten gemacht, ich habe sie dann in meinem Atelier gezeichnet“, erklärt der Künstler.

Die Idee war ein Selbstläufer. Die Köpfe weckten das Interesse der Gäste, etliche baten um Aufnahme in Keitel's Porträt-Galerie und sie sorgten für viel Gesprächsstoff in der Kneipe. „Die Porträts haben Einfluss auf das Verhalten unserer Gäste. Sie wollen Informationen über die Menschen dahinter“, sagt Hacker, der mit seiner Frau Andrea die Kneipe seit über 40 Jahren betreibt.

Neue Gäste kämen extra wegen der Galerie her und würden auch regelmäßig nach den Porträtierten als auch nach dem Maler fragen. So entstünden immer wieder tiefgründige und interessante Gespräche.

Inzwischen kennt wohl jeder Gast die Geschichte von Horst Todt, der 1952 den Rekord im Boogie-Woogie-Marathon-Tanzen aufstellte. „Todt hat mit seiner Partnerin 318 Stunden und 47 Minuten lang getanzt“, erzählt Hacker.

Neben solchen „Kiezgrößen“ wie Todt gibt es auch jede Menge Prominenz aus Politik, Kultur und Wissenschaft an den Wänden von Hacky’s Pub. Neben dem Steglitzer Ex-Bürgermeistern Klaus Dieter Friedrich und Herbert Weber sowie dem einstigen Abendschau-Moderator Klaus Strebe ist auch der Wissenschaftler Justus Stache, die ehemalige stellvertretenden Landesvorsitzende der Frauen-Union und späterem Mitglied des Berliner Abgeordnentenhauses Gabriele Rost oder Rudolf Luster, Mitbegründer der Jungen Union Deutschlands, zu entdecken. „Es ist ein ausgewählter Kreis unserer Gäste, aber kein elitärer Club“, betont Günter Hacker. Schließlich finden sich auch „ganz normale“ Menschen eben wie Olaf Liesenfeld unter den Porträtierten. KM
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