Gemischte Jahrgänge: Grundschule in den Rollbergen setzt auf neues Lernen

Schüler der Jahrgänge vier und fünf beim jahrgangsübergreifenden Lernen. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Grundschule in den Rollbergen |

Waidmannslust. Jahrgangsübergreifendes Lernen ist neben der Montessori-Pädagogik ein Merkmal an der Grundschule in den Rollbergen, Waldshuter Zeile 6. Im kommenden Schuljahr werden auch die Stufen vier bis sechs gemischt.

Wer den Klassenraum der B3 der Grundschule in den Rollbergen betritt, trifft auf eine leise Gesprächsatmosphäre. In kleinen Gruppen sind die Schüler über den Raum verteilt, sprechen über ihre Materialien und vertiefen sich kurz in Texte. Haben sie ein Problem oder auch eine interessante Lösung entdeckt, kommen sie zu Lehrerin Angela Garling. Sie unterrichtet in diesem Raum Kinder der Jahrgangsstufen vier bis fünf.

Während andere Schulen in Berlin das jahrgangsübergreifende Lernen (JÜL) abschaffen, weitet es die Grundschule in den Rollbergen aus. Schon jetzt sind die Stufen eins bis drei gemischt, ebenso die vierten und fünften Jahrgänge. Im kommenden Schuljahr ist die Mischung komplett, wenn vier bis sechs gemischt werden. "Am Anfang war ich skeptisch", sagt Garling. Viele Lehrer fürchten den Mehraufwand, sehen Chaos in der Klasse als wahrscheinlicher als den individuellen Lernfortschritt der Schüler. Doch genau dieser Fortschritt ist für Angela Garling längst erkennbar: "Es gibt begabte Schüler, die mit dem durchschnittlichen Lernmaterial unterfordert sind. Sie können ihren Weg weitergehen, und nebenbei Schwächeren helfen." Es sei eben nicht so, dass der Schwächere das Tempo der Gruppe bestimme - jeder gehe seinen eigenen Weg, wobei die schneller Lernenden die Langsameren mitnähmen.

Schulleiter Harald Liegel sieht das ebenso, und fühlt sich gerade deswegen von der Politik vernachlässigt: "Der Senat hat JÜL einst vorgeschrieben, aber jetzt unterstützt er nicht die Schulen, die das erfolgreich umsetzen." Mittlerweile entscheiden die Schulen wieder selbst, ob sie JÜL einsetzen oder nicht. Denn JÜL verlangt den Pädagogen durchaus mehr an Vorbereitung und Engagement ab - mehr Mittel oder Ermäßigungsstunden müssten die Konsequenz sein, fordert Schulleiter Liegel.

Bisher erntet die Rollberge-Grundschule ihren pädagogischen Erfolg eher wenig beachtet von der Politik. Einen Verbündeten hat sie aber auch: Die Wittenauer Filiale der Berliner Volksbank unterstützt den Förderverein der Schule mit 1000 Euro aus Erlösen des Gewinnsparens. Filialleiterin Christina Fecher sagte bei der Scheckübergabe am 10. Februar: "Wir helfen dieser Schule gern."


Christian Schindler / CS
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