Insolvenz ist denkbar: Finanziell angeschlagener 1. FC Lübars kooperiert mit BAK

Michael Reinke, Vorsitzender beim 1. FC Lübars, hofft, seinen Klub auch durch die Kooperation mit dem BAK aus der Schuldenfalle führen zu können. (Foto: Michael Nittel)

Lübars. Der finanziell angeschlagene 1. FC Lübars kooperiert mit seiner Frauenfußball-Abteilung künftig mit dem Berliner AK (BAK) aus Moabit. Berliner Woche-Reporter Michael Nittel sprach mit Michael Reinke, Vorsitzender beim 1. FC Lübars, über diese Kooperation, die Zukunft des Frauenfußballs in Lübars und die finanzielle Situation des Klubs.

Wie sieht die Kooperation mit dem BAK im Detail aus?

Michael Reinke: Wir kooperieren zunächst für ein Jahr. Das wichtigste Ergebnis unserer ersten Gespräche war dabei, dass der BAK uns die Lizenz für die 2. Bundesliga mit einer finanziellen Zuwendung in Höhe von 20.000 Euro gerettet hat.

Und dennoch soll Ihr Klub nach wie vor mit Altschulden belastet sein, die in der Frauenfußball-Abteilung entstanden sind?

Michael Reinke: Das ist korrekt. Deshalb sind wir mit dem BAK in dieser Angelegenheit ja auch noch in Verhandlungen. Es geht dabei unter anderem um Geld, dass die Spielerinnen noch für die alte Saison bekommen. Und dann wollen sie natürlich verbindliche Zusagen, dass ihre Gelder auch für die neue Spielzeit gesichert sind. Da muss noch ein bisschen was passieren. Aber letztlich war mir als Vorstand die ganze Zeit über bewusst, dass wir nur mit einer Lizenz und einem neuen Kooperationspartner in der Lage sein werden, weitere Sponsoren zu gewinnen, um das Konstrukt Frauenfußball wieder auf gesunde und eigenständige Füße stellen zu können.

Wie ist der Plan für den Frauenfußball über die Saison 2016/2017 hinaus?

Michael Reinke: Im März 2017 wird nicht mehr der 1. FC Lübars, sondern der BAK die Lizenz für die 2. Bundesliga beantragen und die Mädels dann auch als Berliner AK antreten.

Dass die Frauenfußball-Abteilung eigenständig agiert, also losgelöst vom 1. FC Lübars, war ohnehin immer Ihr Plan, oder?

Michael Reinke: Ja. Als wir mit Dieter Hoeneß, damals verantwortlich bei Hertha BSC, über eine Kooperation gesprochen und diese dann auch vereinbart haben, ging es immer darum, die Frauenfußball-Abteilung an Hertha BSC zu verkaufen. Doch in Lübars gab es eine Fraktion, die sich stets dagegen ausgesprochen und auf einer Mitgliederversammlung auch dagegen gestimmt hat. Und das wiederum hatte zur Folge, dass wir finanziell irgendwann nicht mehr durchhalten konnten, der Gesamtverein betroffen war und Hertha BSC den Kooperationsvertrag auch nicht mehr verlängern wollte.

Das heißt, dass nach wie vor auch der Gesamtverein gefährdet ist?

Michael Reinke: Das ist korrekt. Es gibt zahlreiche Gläubiger, die noch Geld bekommen und denen wir dies auch zurückzahlen wollen. Aber ich sage ganz klar, dass – sollte mich einer dieser Gläubiger vor Gericht treiben – der Verein freiwillig in die Insolvenz gehen wird. Das ist ein Gedankenspiel, das man aufgrund der derzeitigen Situation durchhalten muss.

Würde sich der 1. FC Lübars auflösen?

Bedeutet eine Insolvenz, dass der 1. FC Lübars ganz von der Bildfläche verschwinden könnte?


Michael Reinke: Nach unserer alten Satzung wäre das in der Tat so gewesen. Doch das haben wir, vermutlich in weiser Voraussicht, vor eineinhalb Jahren geändert. Jetzt wäre die Situation so, dass ein Insolvenzverwalter die Altschulden übernehmen und man als gemeinnütziger Verein mit seinen ganz normalen Mitgliedsbeiträgen wieder bei null anfangen würde.

Als sich abgezeichnet hat, dass auf den Klub finanzielle Schwierigkeiten zukommen und eine Abspaltung der Frauenfußball-Abteilung nicht gelingen wird, hätten sie für sich persönlich die Reißleine ziehen und zurücktreten können. Warum tun Sie sich das an?

Michael Reinke: Ich mache das jetzt seit 15 Jahren. Und mal ganz ehrlich: Das geht bei mir jede Woche hin und her. Mal möchte ich hinschmeißen, dann wieder nicht. Aber wer soll es denn machen?! Unter dem Strich hänge ich viel zu sehr an diesem Verein, als dass ich ihn im Stich lassen möchte und werde.
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