Frauen gingen in die Fahrradschule

Mobil sind jetzt die Teilnehmerinnen eines Fahrradkurses. In ihren Heimatländern hatten die Migrantinnen das Radeln nicht als Kinder gelernt. (Foto: Nittel)

Märkisches Viertel. In der Jugendverkehrsschule am Senftenberger Ring 25 endete jetzt ein Fahrradkurs für Erwachsene. Acht Frauen aus fünf verschiedenen Ländern nahmen erfolgreich teil.

"Wie, du kannst nicht Fahrrad fahren? Das gibt’s doch gar nicht!": Elef Schneider hat diese Sätze oft gehört. Irgendwann war es ihr peinlich, nicht Rad fahren zu können. Sie übte heimlich im Wald. Vergebens. Sie kippte immer wieder um. "Ich brauchte jemanden, der es mir erklärt", sagt die Türkin. Als sie dann von dem kostenlosen Fahrradkurs für Erwachsene im Märkischen Viertel hörte, beschloss sie teilzunehmen. Mit Erfolg. Die 66-Jährige bestand den viermonatigen Kurs in der Jugendverkehrsschule und bekam am 2. November ihre Urkunde überreicht. Häufig sind es Migrantinnen oder Rentner, die aus unterschiedlichen Gründen nicht Fahrrad fahren können. Doch wie Nichtschwimmer oder Analphabeten verschweigen sie es lieber. "Da braucht es viel Geduld und Motivation", sagt Uwe Kark. Der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Berliner Polizeidirektion 1 weiß, wovon er spricht. Mit zwei Kollegen und Axel Grundschock vom TSV Berlin-Wittenau 1896 hat er seit August dieses Jahres acht Frauen im Alter von 25 bis 66 Jahren das Radfahren beigebracht. Männer hatten sich zu dem Kurs nicht angemeldet.

Die Familien der Frauen stammen aus Pakistan, Palästina, Kamerun, Ghana und der Türkei. Also größtenteils aus Ländern, wo das Radfahren Jungensache ist und sich für Frauen nicht schickt. Oder wo das Geld für ein Fahrrad fehlt. Weil das Radfahren im Erwachsenenalter nur noch schwer zu erlernen ist, gingen die Fahrlehrer im Kurs methodisch vor und die Frauen wechselten stetig zwischen Theorie und Fahrtraining.

"Anfangs waren sie ängstlich und trauten sich nicht aufs Rad. Sie hatten Probleme, das Gleichgewicht zu halten und gleichzeitig in die Pedalen zu treten", berichtet Uwe Kark. Doch mit der Zeit wurde es besser. Die Frauen wurden selbstbewusster und lernten schnell. Ihre Motive waren dabei ähnlich. "Ich will mit dem Fahrrad einkaufen fahren und Ausflüge ins Grüne unternehmen", erzählt Catherine Assomo aus Ghana. Auch Elef Schneider fühlt sich jetzt unabhängiger. "Ich bin endlich mobil", sagt sie.

Mal sehen, vielleicht nehmen die Frauen im nächsten Jahr an der Fahrradrallye in Lübars teil. Wer solange nicht warten will: Der nächste Kurs im Märkischen Viertel findet im Frühjahr 2013 statt. Organisiert wird er auch dann von der Polizei, dem TSV Berlin-Wittenau und der Gesobau-Nachbarschaftsetage.

Kontakt zur Jugendverkehrsschule am Senftenberger Ring 25 a: 416 72 72.

Ulrike Kiefert / uk
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