Senat lehnt externe Evaluation der geplanten Gemeinschaftsschule ab

Märkisches Viertel. Ende Juli werden die Hannah-Höch-Grundschule und die Greenwich-Schule zur lange geplanten Gemeinschaftsschule Campus Hannah Höch fusionieren. Ihre Arbeit wird allerdings nicht von externen Fachleuten evaluiert.

Das geht aus Unterlagen der Senatsverwaltung für Bildung an die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom 18. Juni hervor. Im Februar hatte die Zählgemeinschaft aus CDU und B’90/Grüne jene Evaluation in der BVV gefordert und durchgesetzt. Die Senatsverwaltung kommt dieser Forderung jedoch nicht nach, weil die beiden Schulen an der Finsterwalder Straße erst im Schuljahr 2012/2013 mit der Pilotphase begannen.

Alle anderen Gemeinschaftsschulen waren in Berlin früher gestartet, sie werden von mehreren externen Instituten evaluiert, das heißt die Qualität der Schulen wird anhand von Daten, die etwa durch Schüler- und Lehrer-Befragungen oder bei Unterrichtsbeobachtungen gesammelt werden, beurteilt. Laut Senatsbildungsverwaltung hätte es letztmalig im Schuljahr 2011/2012 die Gelegenheit gegeben, in diese wissenschaftliche Begleitung aufgenommen zu werden.

Die Reinickendorfer Verspätung hatte politische Gründe. Bis 2011 hatte die CDU die Gründung der Gemeinschaftsschule abgeblockt, obwohl sich beide Schulen dafür ausgesprochen hatten. Als nach den Berliner Wahlen im September 2011 CDU und B’90/Grüne eine Zählgemeinschaft eingingen, schrieben die Grünen die Gemeinschaftsschule als Ziel fest. Die Ablehnung der externen Prüfung wird nun gerade von der CDU bedauert. Deren schulpolitischer Sprecher in der BVV, Harald Muschner, verspricht sich davon Hilfe für die Schule, zum Beispiel bei der Frage, warum offenbar Grundschüler die Gemeinschaftsschule schnell verlassen. So blieben 2013 nur vier Kinder nach der sechsten Klasse weiter an der Finsterwalder Straße, 2014 sogar nur ein Kind.

Die Senatsverwaltung hält dagegen, dass die Anmeldungen für die siebte Klasse zwar "noch nicht zufriedenstellend" sind, sich aber positiv entwickeln. So gäbe es für 2014/2015 30 Anmeldungen für die siebte Klasse, in den beiden Jahren zuvor seien es nur 21 und 20 gewesen.


Opfer von Parteipolitik

Ein Kommentar von Christian Schindler

Man wolle mit der externen Evaluation der ersten Reinickendorfer Gemeinschaftsschule nur helfen, heißt es aus der CDU. Und die Parteipolitiker sprechen ein wirkliches Problem an: Wenn die bisherigen Grundschüler nur in sehr geringer Zahl dort bleiben, die meisten aber woanders hingehen, spricht das nicht für die Überzeugungskraft der dortigen Pädagogik.

Ein Grund für die fehlende Akzeptanz liegt aber woanders: Jahrelang hatte die bezirkliche CDU die Gemeinschaftsschule verhindert. Diese bekam erst grünes Licht, als sie eine Bedingung für die Zusammenarbeit mit den Grünen wurde. Eine Schule, die zum Spielball politischer Interessen wird, kann schnell in den Augen der Eltern an Strahlkraft verlieren. Sie befürchten, dass sinnvolle Entscheidungen der Ungewissheit parteipolitischer Auseinandersetzungen unterliegen.

Während sich in anderen Bezirken Gemeinschaftsschulen längst auf den Weg machten und dabei von externen Fachleuten begleitet wurden, wurde im Fuchsbezirk die Bremse erst im Schuljahr 2012/2013 gelöst. Tauchen jetzt Probleme auf, müssen sie eben von Bezirk und Senat gemeinsam gelöst werden, andere Hilfen hat der Parteienstreit verbaut.


Christian Schindler / CS
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