Erste Selbsthilfegruppe für türkischstämmige pflegende Angehörige gestartet

Christine Gregor, Methap Cetinhaya, Gülveren Nate und Tatjana Siek. Die beiden Frauen außen sind Ansprechpartnerinnen der Kontaktstelle, die zwei anderen leiten die erste Selbsthilfegruppe für türkischstämmige pflegende Angehörige. (Foto: Berit Müller)
 
Christine Gregor, Methap Cetinhaya, Gülveren Nate und Tatjana Siek in den Räumen der Gesobau-Nachbarschaftsetage, wo sich die Selbsthilfegruppe trifft. (Foto: Berit Müller)
Berlin: Gesobau Nachbarschaftsetage |

Märkisches Viertel. „Yalniz Değilsin“ ist Türkisch, bedeutet übersetzt „Du bist nicht allein“ und bringt ein neues Projekt der Kontaktstelle PflegeEngagement auf den Punkt: die erste türkischsprachige Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige.

Gruppentreffen für Betroffene und Familienmitglieder, Besuchsdienste, Freizeitangebote, vor allem aber jede Menge an Information, Hilfe und Beistand – für all dies sorgt die Kontaktstelle PflegeEngagement des Unionhilfswerks im Märkischen Viertel. Sämtliche Angebote richten sich an pflegebedürftige Menschen, ihre Angehörigen und Freunde.

Doch obwohl viele türkischstämmige Bewohner im Einzugsgebiet leben, nehmen nur wenige den Service an. Den Weg in eine der Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige fand bislang noch keiner. „Wir haben uns gefragt, warum das so ist“, sagt Tatjana Siek von der Kontaktstelle PflegeEngagement. Eine Studie der Universität Tübingen brachte Aufschluss. Die Macher des Forschungsprojekts hatten Menschen mit Migrationshintergrund ebenso zum Thema häusliche Pflege befragt, wie Ärzte und Krankenkassen.

Sprachbarriere und kulturelle Unterschiede

Zentrales Ergebnis: Vor allem die Sprachbarriere verhindert, dass Betroffene Hilfe suchen. Häufig spielen auch die kulturellen Unterschiede und mangelnde Kenntnisse des deutschen Gesundheitssystems eine Rolle. In Folge leiden viele Zugewanderte, die Angehörige pflegen, an massiver Überlastung, so das Fazit des Papiers. „Nachdem wir uns mit der Studie befasst hatten, stand für uns fest, dass wir eine eigene Selbsthilfegruppe für türkischstämmige Angehörige aufbauen“, sagt Tatjana Siek.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Kontaktstelle rasch zwei ehrenamtliche Leiterinnen gewinnen konnte: Gülveren Nate und Mehtap Cetinhaya. Letztere pflegt ihre Mutter zu Hause – seit drei Jahren inzwischen. „Manche Leute haben Angst, dass Hilfsangebote viel Geld kosten“, sagt die Reinickendorferin. „Und natürlich gibt es auch Berührungsängste. Ich hoffe, dass wir helfen können, diese Barrieren abzubauen.“ Die junge Buchhalterin hat sich für ihre Aufgaben bestens vorbereitet und extra noch ein zertifiziertes Seminar besucht.

Gelegenheit zu Austausch und gegenseitiger Hilfe

„Wer eine Selbsthilfegruppe besucht, hat es einfacher, das Leben als pflegender Angehöriger zu bewältigen“, sagt Tatjana Siek. Die Gruppe biete Gelegenheit zum Austausch und zu gegenseitiger Hilfe. Im geschützten Rahmen können die Teilnehmer über ihre Sorgen reden, Gemeinsamkeit und Geselligkeit erleben, sich gegenseitig Tipps geben: „Sie sind ja die Experten in ihrer eigenen Sache.“

Strenge Vorschriften gibt es nicht; an ein paar Regeln sollten sich die Teilnehmer aber halten: Jeder darf und sollte seine Gefühle und Erfahrungen einbringen, den offenen Austausch jedoch keine Diskussionen suchen. Der Gesprächsverlauf der Treffen ist offen, das Stillschweigen gegenüber Außenstehenden gilt als selbstverständlich.

Die neue Gruppe für türkischstämmige pflegende Angehörige trifft sich ab sofort an jedem zweiten Montag im Monat von 16 bis 17.30 Uhr in den Räumen der Gesobau-Nachbarschaftsetage am Wilhelmsruher Damm 124. Das Angebot ist kostenlos, bei jedem Treffen gibt es Kaffee, Tee und Gebäck. bm

Weitere Informationen unter  644 97 60 63, oder per E-Mail an pflegeengagement@unionhilfswerk.de.
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