Ehefrau will Gesprächsgruppe gründen

Tilmann Gens will eine Gesprächsgruppe für die Angehörigen von Transsexuellen in Marzahn-Hellersdorf gründen. (Foto: hari)

Mahlsdorf. Die Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle will eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Transsexuellen ins Leben rufen. Initiatorin ist eine Betroffene aus dem Siedlungsgebiet.

"Das Leben mit ihm wird immer schwieriger", sagt R.K. Die 65-Jährige ist seit über 30 Jahren mit einem Mann verheiratet, der sich als Frau fühlt. Sie will das Zusammenleben mit dem 73-Jährigen nicht beenden. Zuviel hängt daran, die Familie, das Haus und das Grundstück in Mahlsdorf. Sie sucht nach Wegen, die Probleme zu bewältigen. Deshalb hat sich R.K. an die Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle in Alt-Marzahn gewandt. Eine solche Selbsthilfegruppe gibt es hier bisher aber nicht.

"Soviel ich weiß, gibt es solche Gesprächsgruppen in ganz Berlin nicht", sagt Tilmann Gens, Mitarbeiter der Beratungsstelle. Es gäbe zwar in Berlin Beratungsangebote. Aber der Rat von Experten sei nicht vergleichbar mit dem Zwiegespräch von Menschen, die das gleiche Problem haben. "Es gibt Bücher zu dem Thema und gelegentlich Fernsehsendungen, aber das alles hilft mir wenig weiter", ergänzt R.K. Sie ist an einem Punkt angelangt, wo sie einfach nicht weiter weiß.

Ihren Mann lernte sie vor mehr als 30 Jahren kennen. Beide hatten eine gescheiterte Ehe hinter sich und brachten Kinder mit. Sie merkte zwar nach relativ kurzer Zeit, dass etwas nicht stimmte. "Er kaufte stets irgendwelche Dessous, die mir eigentlich zu groß waren", berichtet sie. Erst Jahre später begriff sie, dass ihr Mann die Unterbekleidung eigentlich für sich gekauft hatte.

Jahrzehntelang arbeitette er auf Montage. Kurz vor der Rente machte er immer weniger einen Hehl aus seinem Anderssein. Er kleidete sich auch zu Hause als Frau, schminkte und manikürte sich. Mit der Zeit bekamen auch die Nachbarn und die inzwischen erwachsenen Kinder mit, letztendlich auch die heranwachsenden Enkel, was Sache war.

"Niemand lacht über uns, über ihn oder mich, jedenfalls nicht öffentlich", sagt R.K. Trotzdem fiele es ihr immer schwerer, die Balance zu wahren. Sie braucht dringend Ansprechpartner, die Gleiches oder Ähnliches wie sie durchleben, fühlt sie. "Vielleicht lässt sich alles dann leichter ertragen", erklärt sie weiter.

Selbsthilfe- , Kontakt- und Beratungsstelle, Alt-Marzahn 59a, unter 542 51 03.

Harald Ritter / hari
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