Tauschring Hohenschönhausen feiert 20-Jähriges

Thomas Giese, Elfi Sinn und Ute Kästorf sind Geber und Nehmer im Tauschring. (Foto: Wrobel)
 
Thomas Giese hilft handwerklich unbegabten Nachbarn. Dafür bekommt er auch mal einen Kuchen. So funktioniert das beim Tauschring. (Foto: Wrobel)
Berlin: Nachbarschaftshaus im Ostseeviertel |

Neu-Hohenschönhausen. Ob Regale anschrauben, Lampen anbringen oder einen Kuchen backen: Seit zwanzig Jahren helfen sich Nachbarn in Hohenschönhausen gegenseitig. Jeder kann beim Tauschring mitmachen.

"Ich kann handwerklich eigentlich alles", sagt Thomas Giese. Der gelernte Elektriker ist Frührentner, doch hilft er gerne, soweit er kann. "Löcher bohren oder Lampen anbringen – ich stehe mit Rat und Tat zur Seite." Einen Kuchen zu backen, das traue er sich allerdings nicht so recht zu. Hier fragt er gerne Elfi Sinn. Die Nachbarin und frühere Heilpraktikerin kann das nämlich gut. Die Rentnerin tut sich aber schwer in technischen Dingen. Da fragt sie wiederum gerne Thomas Giese nach Unterstützung.

Eine unkomplizierte Nachbarschaftshilfe, das finden beide im Tauschring Hohenschönhausen. "Ich helfe Dir, Du hilfst mir", lautet das Motto der Initiative. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich die rund Dutzend Mitglieder des Tauschrings in Hohenschönhausen im Nachbarschaftshaus in der Ribnitzer Straße 1b. "Aus der Nachbarschaftshilfe sind mittlerweile richtige Freundschaften entstanden", sagt Elfi Sinn.

Vor zwanzig Jahren wurde der Tauschring in Hohenschönhausen ins Leben gerufen. Das Prinzip ist simpel: Wer hier Mitglied wird, kann die Fähigkeiten und Ressourcen der anderen Mitglieder in Anspruch nehmen. Ein "Tauschanzeiger" informiert über die Dienstleistungen, die ehrenamtlich angeboten werden: Von Gardinen anbringen übers Fenster putzen, Tapezieren bis hin zu Schreibarbeiten und Computerprobleme lösen sind allerhand Hilfsangebote dabei. Getauscht wird dabei nicht direkt. Jeder erhält ein Konto, auf der ein Guthaben in der Fantasiewährung "Fundis" geführt wird. Eine Stunde Leistung gleicht zwei "Fundis". So kann, je nach Bedarf, getauscht werden.

"Viele Menschen stehen im Alltag vor Problemen, für die es keine Lösung in Form von käuflicher Dienstleistung gibt", weiß Elfi Sinn. Denn welches Unternehmen bringt schon einer alten Frau einfach mal bloß die Gardine an, ohne Unsummen zu berechnen? Oder hilft gar beim Einkauf mit dem Tragen der Taschen? "Es gibt viele Menschen, die sich einbringen wollen und umgekehrt von den Fähigkeiten der anderen profitieren könnten." Das bringt auch Generationen zusammen: wenn etwa Jüngere helfen, das Internet zu bedienen und selbst dankbar sind, wenn eine erfahrene ältere Dame den Saum eines Rockes zu kürzen hilft oder gar Socken strickt.

Angebote vom Fahrdienst über Kinderbetreuung ergänzen das Angebot. Denn beim Tauschring bleiben die Helfer nicht anonym. "Wir lernen einander in den regelmäßigen Treffen kennen", sagt Elfi Sinn. "Dabei legen wir großen Wert darauf, dass es nicht nur Nehmer gibt, sondern dass sich die Mitglieder auch gebend einbringen." Wer die Leistungen des Tauschrings in Anspruch nehmen möchte, der kann sich bei einem der Treffen unverbindlich informieren. Das nächste Treffen des Tauschrings findet am 14. April um 19 Uhr im Nachbarschaftshaus Ostseeviertel statt. KW

Weitere Informationen gibt es auch unter www.trhohenschoenhausen.homepagestart.de.
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