Die Ärztin Renate Meßmacher fand erst spät zur Malerei

Die Ideen kommen ihr immer erst beim Malen, erklärt Hobbykünstlerin Renate Meßmacher. (Foto: Philipp Hartmann)
 
Leere Wände kennt Renate Meßmacher nicht. Bereits im Flur hängen dutzende Bilder. In jeder Ecke ihres Ateliers gibt es etwas zu entdecken. (Foto: Philipp Hartmann)
Berlin: Atelier Meßmacher |

Wer das Atelier von Renate Meßmacher betritt, weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Kaum ein Platz an den Wänden ist noch frei. Überall hängen Bilder, fein säuberlich gerahmt. Sie sind nur ein kleiner Auszug der vielen Werke einer Künstlerin, die auf ungewöhnlichem Weg zu ihrer Passion gefunden hat.

Beruflich hatte Renate Meßmacher (73) nie etwas mit Kunst zu tun. Geboren auf einem Rittergut in der Nähe von Osnabrück, kam sie 1964 für ihr Medizinstudium nach Berlin. In den Achtzigern eröffnete sie am Tempelhofer Damm eine Praxis für Radiologie. 2002 ging sie in den Ruhestand. „Damals hat mir jeder gesagt: Du hast nur malocht, du wirst in ein Loch fallen“, erzählt sie. Meßmacher aber hatte viele Ideen im Kopf. „Gleich am nächsten Tag habe ich dann mit der Malerei angefangen.“ Der Weg von der Medizin zur Kunst sei gar nicht so weit, wie Außenstehende vielleicht denken.

„Ich habe mir 30 Jahre lang Röntgenbilder angesehen, immer nur schwarz-weiß. Ich hatte einfach Lust auf Farbe“, sagt sie. Nach einigen Zeichenkursen an der Volkshochschule und Einzelunterricht legte Renate Meßmacher los. Vor allem Motive aus der Natur bringt sie auf die Leinwand. „Ich bin sehr naturverbunden, was wahrscheinlich an meiner Kindheit auf dem Land liegt“, erklärt sie. Und wer aufmerksam durch Parks und Grünflächen läuft, findet sogar nützliche Hilfsmittel für neue Kunstwerke. „Manchmal nehme ich Nussschalen und Baumrinde mit und lasse sie auf dem Herd kochen. Daraus ergeben sich schöne Farbtöne, die man nicht kaufen kann“, verrät Meßmacher.

Eine Vorlage oder eine konkrete Idee hat sie nie, wenn sie vor einer noch weißen Leinwand steht. „Ich schütte einfach Farbe drauf und dann mache ich mir meinen eigenen Jux“, erzählt sie lachend. Mit der Kunst Geld zu verdienen, war nie ihr Ziel. Stattdessen sollte die Malerei im Ruhestand Struktur in den Tag bringen und ein spaßbringendes Hobby sein. Deshalb sei ihr auch wichtig, dass Betrachter ihrer Bilder bestenfalls genau die Freude erleben, die sie selbst beim Malen verspürt. Renate Meßmacher malt fast alles aus dem Kopf. Nur bei Ausflügen in den Britzer Garten – ihren Lieblingsort – macht sie eine Ausnahme, wenn sie die dortigen Tulpen als Vorlage nimmt. „Dort sind schon öfter Leute zu mir gekommen, die meine Bilder sofort gekauft haben. Manchmal war die Farbe noch nicht mal trocken“, berichtet sie.

Das künstlerische Talent, glaubt Renate Meßmacher, habe sie wohl von ihrer alleinerziehenden Mutter geerbt. „Als ich noch sehr klein war, hat meine Mutter die Bauernhöfe in der Umgebung gemalt und im Gegenzug von den Bauern Naturalien bekommen. So hat sie uns damals über Wasser gehalten.“ 2003 ist sie gestorben, als Renate Meßmacher gerade mit der Malerei anfing. Sie hatte jedoch noch die Gelegenheit, ihrer Mutter eines ihrer ersten Werke, ein Aquarell, zu zeigen. „Das werde ich nie vergessen“, erzählt Meßmacher. Danach fühlte sie sich in ihrer Entscheidung bekräftigt, weiterzumachen.

Renate Meßmacher hat sich spontan bereit erklärt, den Lesern der Berliner Woche einen Tag der offenen Tür in ihrem Atelier in der Richterstraße 48 anzubieten. Dieser findet am Mittwoch, 28. März, von 15 bis 19 Uhr statt. Kontakt unter www.tandem-malerei.de.
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