Kampf gegen Murks und für langlebige Produkte

Stefan Schridde ist dem Murks in der Produktion auf der Spur. Bei der Waschmaschine lässt sich das Lager für die Trommel nicht auswechseln. (Foto: KT)

Mariendorf. Am Mariendorfer Damm 16 gibt es eine Ausstellung. In den Räumen werden aber keine Bilder oder Skulpturen gezeigt, sondern defekte Haushaltsgeräte.

Der "Murks? Nein Danke! e.V." hat damit ab 10. Dezember seine eigene Beratungsstelle in Berlin. Seit Jahren jagt Vereinsvorsitzender Stefan Schridde schon Murks in der Produktion hinterher. Er hat viele Beispiele gesammelt, bei denen schon in der Konstruktion und in der Produktion Fehler eingebaut wurden, damit die Geräte schnell ihren Geist aufgeben.

Auf einer Internetplattform hatte Schridde vor einigen Jahren seine Erfahrungen veröffentlicht. Sehr schnell fand er über 160 Gleichgesinnte und gründete im April 2013 den Verein. Der hat jetzt 30 Mitglieder und über 21 000 Fans bei Facebook. "Nun haben wir gemeinsam mit der Berliner Baugenossenschaft eG das Murks-Center am Mariendorfer Damm aufgebaut."

Stefan Schridde will mit seinen Aktionen Murks an Haushaltsgeräten deutlich sichtbar machen und die Hersteller und den Handel in die Verantwortung nehmen. Im Murks-Center sind viele Beispiele zu sehen.

Da gibt es die Küchenmaschine, in der unterschiedliche Zahnräder eingebaut sind, die einen sind aus Metall und die anderen aus Kunststoff. "Ganz klar, dass die Kunststoffräder sehr schnell abnutzen", erklärt Schridde. "Sie lassen sich auch nicht austauschen, also ist eine Reparatur gar nicht vorgesehen." Er zeigt die Platine für ein Fernsehgerät. Die Bauteile sind so aufgereiht, dass die empfindlichen Kondensatoren von der Wärme einer Kühlplatte aufgeheizt werden und damit schneller ihren Geist aufgeben. Ein besonders gutes Beispiel ist für Schridde die Trommel einer Waschmaschine. "Früher konnte man das Lager für die Trommel von außen wechseln", erklärt er. "Heute ist das Lager fest mit der Trommel verbunden. Beide Teile müssen ausgetauscht werden, obwohl das gar nicht nötig ist."

Schridde möchte, dass die Geräte so gebaut werden, dass sie länger halten. Das schont den Geldbeutel der Käufer, ist aber auch gut für die Umwelt. Früher ist Stefan Schridde mit seinem Murkskoffer zu Veranstaltungen, Seminaren und Fernsehauftritten gereist. Nun hat der Verein seine eigenen Räume, in denen Vorträge, Seminare oder Projekttage für Schulklassen und Studentengruppen stattfinden können. "Vor allem möchten wir die Verbraucher informieren, was sie beim nächsten Einkauf beachten sollten", erklärt er. "Wir wollen auch deutlich machen, dass nicht der Verbraucher die Verantwortung trägt, sondern der Handel und die Hersteller." Schridde möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, wieder auf langlebige Produkte zu setzen.

Im Murks-Center hat der Verein einiges geplant. Sonderausstellungen werden künftig über spezielle Themen informieren. Es gibt Aktionsräume für Initiativen und Kampagnen. Im Projektbüro bietet der Verein Arbeitsräume für Seminare, Workshops und Vorträge und Filmvorführungen an.

Weitere Informationen unter 25 58 03 21, murks.center.

Klaus Tessmann / KT
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