Hartz IV-Möbel Marke Eigenbau

Mariendorf. Das Werkhaus Anti Rost, Rathausstraße 28, lädt am 13. September von 12 bis 16 Uhr zum Sommerfest ein. Als eine Attraktion ist die Präsentation eines nur 24 Euro teuren Hartz IV-Sessels aus der eigenen Tischlerwerkstatt angekündigt.

"Schick, formschön und stabil", schwärmen Michael Weiß-Jenssen (61) und Kollege Wilfried Zabicki (65) beim Zusammenbau des Prototyps ohne Schrauben, Nägel und Winkel. Der Bauplan stammt von Van Bo Le-Mentzel. Der Berliner Architekt laotischer Herkunft ist durch die Entwicklung seiner Hartz IV-Designermöbelserie zum Selbstbau mit geringem Kostenaufwand bekannt geworden. Sein erster, am Bauhausstil orientierter Entwurf war der sogenannte "24 Euro Chair". Ein Sessel, der ursprünglich aus nur einem einzigen Kiefernholzbrett besteht, das lediglich nach einem bestimmten Muster in Leisten verschiedener Längen zersägt werden muss.

"So ein Brett ist in jedem Baumarkt für etwa 20 Euro zu bekommen, dazu noch ein paar Spanngurte für die Sitzfläche, schon ist man bei 24 Euro", erklärt Weiß-Jenssen das Prinzip. Man braucht für die Herstellung auch keine vollwertige Tischlerwerkstatt, eine semiprofessionelle wie die von Anti Rost reicht völlig aus. "Es kommt hauptsächlich auf die bewährten und handwerklich perfekte Verbindungen mit Nut und Zapf an", erklären die ehrenamtlichen Tischler und laden alle Interessierten ein, sich ihre Wohnzimmereinrichtung unter entsprechender Anleitung und Hilfestellung künftig selbst in der Werkhaus-Tischlerei zu zimmern.

Die gesamte Hartz IV-Möbelkollektion besteht aus einem Stuhl, Sessel, Schlafsofa, Regal und Tisch. Für dieses gemeinnützige Selbsthilfeprojekt hat der Architekt Le-Mentzel seine Baupläne beziehungsweise die Lizenz zum Nachbau dem Mariendorfer Oldie-Verein übrigens kostenlos überlassen.

Der Verein Werkhaus Anti Rost, vor beinahe 30 Jahren unter dem Stichwort "50 plus" gegründet, hatte zunächst allein Rentner als Zielgruppe im Visier, erinnert sich der Gründungsvater und Anti-Rost-Chef Wolfgang Priewe (75). Er sagt: "Heute sind es zunehmend ältere Hartz IV-Empfänger, die ihre beruflichen Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr oder weniger abgeschrieben haben und beim Anti-Rost-Projekt eine sinnvolle Beschäftigung suchen und finden." Für dieses langjährige und zielgerichtetes Engagement ist Priewe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

"Man tut etwas für sich und andere und man ist zufrieden", beschreibt Priewe das Tun und Treiben im Anti Rost-Verein und lockt: "Wer Lust auf Selbstwertgefühl, Würde und das Gefühl von Gebrauchtsein hat und bei uns mitmachen will, ist herzlich eingeladen."

Alle weiteren Informationen gibt es unter 706 91 42.

Horst-Dieter Keitel / hdk
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