Fluchtgeschichten in Tüten

Einige der Dokumente, Fotos und private Erinnerungsstücke von DDR-Flüchtlingen, die den 1950er- und 1960er-Jahren im Notaufnahmelager ankamen. (Foto: Katja Eder)
Berlin: Notaufnahmelager Marienfelder |

Marienfelde. Bei Recherchen für eine Ausstellung in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde wurden bereits 2004 in einem Keller des ehemaligen Notaufnahmelagers stapelweise alte Papiertüten gefunden. Jetzt wurden die Tüten erstmals geöffnet.

Die Tüten geöffnet und nachgeguckt haben 15- und 16-jährige Schüler, die die Dauerausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“ im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs für zeitgenössische Lyrik „lyrix“ besucht hatten. Gefunden haben die Schüler vor allem Brieftaschen, Dokumente, Fotos und private Erinnerungsstücke von DDR-Flüchtlingen aus den 1950er- und 1960er-Jahren.

Diese Fundsachen, noch nicht erschlossene Exponate der Erinnerungsstätte, sowie das Gedicht „im felderlatein“ von Lutz Seiler nahmen sie als Impuls für das Schreiben eines eigenen Gedichtes. Unterstützt wurden die Jugendlichen von der Lyrikerin Sylvia Krupicka, die ihnen in einer Schreibwerkstatt in der Erinnerungsstätte Tipps gab und Techniken vermittelte, wie sie ihre Ideen in Lyrik verwandeln können. „Auf sehr fruchtbare Weise haben die Jugendlichen so kreatives Schreiben und historisches Forschen miteinander verbunden“, freut sich Judith Bilger, Sprecherin der Marienfelder Erinnerungsstätte.

Ziel des bundesweiten Wettbewerbs, der vom Deutschlandfunk, dem Deutschen Philologenverband und dem Deutschen Museumsbund ausgerichtet wird, ist es, junge Dichter für Lyrik und das kreative Schreiben zu begeistern. Zu diesem Zweck ist „lyrix“ zurzeit jeden Monat in einem deutschen, österreichischen oder Schweizer Museum zu Gast. Im April macht "lyrix" in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Marienfelder Allee 66-80, Station.

Jeweils im Folgemonat werden die fünf vermeintlich gelungensten Gedichte vom Deutschlandfunk veröffentlicht. Eine unabhängige Jury aus Literaturwissenschaftlern, Autoren und Literaturredakteuren ermittelt jeweils am Anfang des folgenden Jahres aus den insgesamt 60 Monatsgewinnern die zwölf Preisträger eines Jahrgangs. HDK

Weitere Informationen unter  75 00 84 00 und auf www.notaufnahmelager-berlin.de.
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