Berlin baut das erste Modularhaus für Flüchtlinge in Marzahn

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel beim Besuch auf der Baustelle unweit der Märkischen Allee. (Foto: Schilp)
 
Senator Andreas Geisel (links), Bürgermeister Stefan Komoß und Hermann Josef Pohlmann, Leiter der Hochbauabteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, erkundigten sich am 16. Juni über den Baufortschritt. (Foto: Schilp)
Berlin: Flüchtlingsunterkunft |

Marzahn. An sechs Tagen in der Woche arbeiten derzeit rund 40 Männer mit Hochdruck auf dem Areal an der Paul-Schenk-Straße gegenüber der Märkischen Allee: Hier baut das Land Berlin seine erste „Modulare Unterkunft für Flüchtlinge“ (MUF).

Im Mai haben die Arbeiten begonnen, Ende des Jahres sollen die beiden fünfgeschossigen Gebäude bezugsfertig sein. Sie bieten Platz für insgesamt 450 Menschen. Dazu kommt ein niedriger „Funktionsbau“ an der Paul-Schenk-Straße mit Empfang, Arztstelle, Waschhaus, Schulungs- und Beratungsräumen. Auch kleine Spiel- und Sportplätze sind geplant. Kostenpunkt: rund 17,6 Millionen Euro.

Der Vorteil bestehe in der seriellen Fertigung, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) beim Besuch der Baustelle am 16. Juni. „So können wir schnell und flexibel arbeiten und trotzdem haben wir massive Wohngebäude.“ Das Prinzip: Die MUFs bestehen aus einzelnen aneinandergereihten „Grundmodulen“ aus Stahlbeton, die knapp 20 mal 20 Meter messen. Sie sind bewusst klein gehalten und nehmen maximal 15 Flüchtlinge pro Etage auf – bei fünf Stockwerken also 75 Menschen. Jede dieser Einheiten hat einen eigenen Zugang und verfügt über alles Notwendige: neben Zimmern auch über Küchen, Gemeinschafts- und Sanitärräume.

Die Erdgeschosse sind für Familien reserviert. Dort werden rund 40 Quadratmeter große Wohnungen mit jeweils zwei Räumen und eigener Küche eingerichtet. Die anderen Flüchtlinge teilen sich in den Obergeschossen Zwei-Bett-Zimmer, die rund 16 Quadratmeter messen. „Das Verhältnis von Familien- und Gemeinschaftsunterkünften beträgt 25 zu 75 Prozent“, so der Senator.

Insgesamt werden zehn MUFs in Berlin gebaut, vier davon in Marzahn. „An der Wittenberger Straße haben die Arbeiten ebenfalls bereits begonnen, an der Rudolf-Leonhardt-Straße laufen die Vorbereitungen“, erklärt Bürgermeister Stefan Komoß (SPD). Dazu komme noch der Standort Albert-Kuntz-Straße. Er freut sich darüber, dass die Flüchtlinge bald menschenwürdige Unterkünfte beziehen können und nicht mehr in Sporthallen ausharren müssen. Zwei der vier mit Flüchtlingen belegten Sporthallen in Marzahn-Hellersdorf konnten inzwischen geräumt werden, die beiden anderen folgen im August. Andreas Geisel spricht von einer „gleichmäßigen Verteilung der Flüchtlinge über die ganze Stadt“. Ist das angesichts von vier Marzahner Standorten gerechtfertigt? „Die MUFs sind nur ein kleiner Teil unseres Programms. Die städtischen Wohnungsgesellschaften bauen ebenfalls an vielen Stellen für Flüchtlinge.“ Ziel sei es, innerhalb von rund zweieinhalb Jahren neuen Wohnraum für 35 000 Geflüchtete zu schaffen. „Das entspricht der Größe von Königs Wusterhausen“, sagt er. Nebenbei laufe natürlich auch das reguläre Berliner Wohnungsbauprogramm weiter.

Stefan Komoß wünscht sich nun einen guten Betreiber für das Heim und hofft auf Akzeptanz der Nachbarn. Die Erfahrungen seien nicht schlecht: „Als die ersten Container im Bezirk von Flüchtlingen bezogen wurden, gab es viel Protest. Aber schon 14 Tage später war alles ruhig“, erinnert er sich. Und letztendlich könnten viele der Marzahner in einigen Jahren von den MUFs profitieren. Die Gips-Karton-Innenwände lassen eine schnelle Umgestaltung zu. Dem Anbau von Balkonen oder Loggien stünde nichts im Wege – eine soziale Nutzung wäre ebenso möglich wie studentisches oder seniorengerechtes Wohnen. sus
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