Kleingärtner fürchten um ihre Parzellen

Thomas Schüler entlüftet einen Anschluss der neuen Wasserleitung, die von den Kleingärtnern Ende März in Betrieb genommen wurde. hari (Foto: hari)

Marzahn. Die Deutsche Bahn AG will Kleingartengrundstücke zwischen dem Klüsserather Weg und dem Außenring verkaufen. Die betroffenen Laubenpieper von gleich drei verschiedenen Anlagen wussten bis vor Kurzem davon nichts.

„Wir haben erst durch einen Zufall davon erfahren“, sagt Vera Schirrmeister, Pächterin einer Parzelle in der Anlage „Steintal“. Ein Kleingärtner aus ihrer Anlage sei im Internet auf die Annonce gestoßen. Die Mitglieder ihres Kleingartenvereins seien über die Verkaufsabsichten nicht informiert worden. Gerade erst habe „Steintal“ in eine neue Wasserleitung investiert. Auch der Bezirksverband der Kleingärtner Marzahn und das Bezirksamt wussten auf Anfrage der Berliner Woche nichts von den Plänen der Bahn. „Unabhängig von der Frage, ob hier alles rechtens ist, verrät das Vorgehen der Bahn keinen guten Stil“, erklärt Gert Schoppa, Vorsitzender des Bezirksverbandes. Auf Anfrage der Berliner Woche erklärt ein Bahnsprecher: "Sowohl der Verband als auch das Bezirksamt wurden über die Verkaufsabsichten informiert." Dem widerspricht allerdings auch Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU): "Wir wurden von der Bahn nicht vorher informiert."

Bekannt ist bisher nur, dass die Bahn rund 39 000 Quadratmeter westlich der Bahnlinie zum Verkauf anbietet. Rund 30 000 Quadratmeter sind allein verpachtete Kleingartengrundstücke. Rund 60 Parzellen der Anlagen „Steintal“ und „Sorgenfrei“ sowie einige Parzellen der Anlage „Aufbau“ sind betroffen. Außerdem sind Dutzende Eigentümer von Garagen von den Verkaufsabsichten der Bahn überrascht worden. Ihnen gehören zwar die Garagen, nicht aber die Grundstücke, auf denen sie stehen. Gebote nimmt die Bahn bis Ende April entgegen.

Das Areal liegt zwischen der Bahnlinie und einer Siedlung von Einfamilienhäusern. Eine Erweiterung um weitere Einfamlienhäuser böte sich an. Allerdings müsste ein Investor viel Geld in den Schallschutz investieren. Zudem wären Risiken im Untergrund beim Verkauf zum Bau von Einfamilienhäusern zu klären. Die Grundstücke liegen zum größten Teil in einem ehemaligen See, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit Bauschutt gefüllt wurde.

„Wir hoffen, dass wir noch vor einem möglichen Verkauf mit der Bahn ins Gespräch kommen können“, erklärt Schoppa. Im schlimmsten Fall würde sich der Bezirksverband bemühen, Grundstücke für die betroffenen Kleingärtner in anderen Anlagen zu finden. hari
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