Immer mehr Einschulungskinder haben zusätzlichen Förderbedarf

Marzahn-Hellersdorf. Immer mehr Kinder haben vor der Einschulung Entwicklungsdefizite. Das Problem ist seit Jahren bekannt und verschärft sich weiter.

52 Prozent der 2012 vor Schuleintritt untersuchten Schüler brauchten eine weitere intensive Förderung. Der Anteil stieg bis zum vergangenen Jahr auf 59 Prozent. Die Zahl der Rückstellungen vom Schuleintritt stieg im gleichen Zeitraum von 310 Schüler auf 617 Schüler um fast das Doppelte an. Dies geht aus dem aktuellen Bericht zu den Einschulungsuntersuchungen 2016 hervor, den Bürgermeisterin und Gesundheitsstadträtin Dagmar Pohle (Die Linke) der Bezirksverordnetenversammlung vorlegte.

Als Hauptgrund nennt sie soziale Faktoren. Immer mehr Eltern mit geringem Bildungsstand sind in den zurückliegenden Jahren in den Bezirk gezogen. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund und oft entsprechend schwierigem Zugang der Kinder zur deutschen Sprache, der Grundlage aller Bildung.

Kinder mit Migrationshintergrund leben zudem häufiger in Elternhäusern mit geringerem Bildungsstand. Besonders wenn beide Elternteile nichtdeutscher Herkunft sind, ist dieser im Durchschnitt sehr niedrig. „Daher stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen den schlechter gewordenen Ergebnissen und der Zunahme von Kindern mit Migrationshintergrund gibt“, schreibt Pohle.

Das Auseinanderdriften des Bezirks beschleunigt sich zudem. Im Norden, in den Großsiedlungen, leben immer mehr einkommensschwache Familien mit weniger gebildeten Eltern. Im Süden, den Siedlungsgebieten, können Eltern mehr für die Entwicklung ihrer Kinder tun. Das bildet sich auch bei den Kindern ab. In Marzahn-Nord bescheinigten die Ärzte fast 80 Prozent der untersuchten Kinder, dass sie in der Schule besonders zu fördern sind. In Mahlsdorf waren es keine 30 Prozent.

Der Bericht wird in den kommenden Wochen in den zuständigen Ausschüssen diskutiert. „Wir müssen uns um dieses Problem noch stärker kümmern“, sagt Steffen Ostehr (Die Linke), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Der Bezirk mache bereits viele Angebote, etwa mit den Familienzentren in den Großsiedlungen. „Es gibt aber immer mehr Familien, die wir kaum noch erreichen.“

Die BV-Vorsitzende Kathrin Bernikas (CDU) ist Grundschullehrerin und Mitglied im Schulausschuss. Sie sieht die Schulen in einem Dilemma. „Die Klassenlehrer können die Defizite bei den Kindern nicht wegzaubern und Förderlehrer gibt es viel zu wenige“, sagt sie. hari
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