In Marzahn-Hellersdorf wurden fast 20 Prozent der Kinder zurückgestellt

Marzahn-Hellersdorf. Das Einschulungsalter steht in Berlin erneut zur Debatte. Die Meinungen sind gespalten: auch in Marzahn-Hellersdorf gibt es eindeutige bildungspolitische Fronten.

Seit dem vergangenen Jahr ist es einfacher, eine Rückstellung schulpflichtiger Kinder zu beantragen. Der Start kann so um ein Jahr verschoben werden. Bürgermeister und Schulstadtrat Stefan Komoß (SPD) möchte an dieser Regelung festhalten. "Meiner Meinung nach hat sich dieses Verfahren bewährt. Durch die Erleichterung der Rückstellungsmöglichkeiten gibt es faktisch ein funktionierendes Verfahren", sagt er.

Die CDU will dagegen zum Schuleintrittsalter mit sechs Jahren zurückkehren. Der rot-rote Senat hatte es 2004 auf fünfeinhalb Jahre gesenkt. Nach immer lauter werdender Kritik an dieser Regelung wird in Berlin seit 2013 der Wunsch der Eltern stärker berücksichtigt. Sie können auf dem Anmeldeformular ankreuzen, ob sie ihr Kind mit fünf Jahren für schulreif halten oder nicht.

Das reicht den Christdemokraten nicht. Sie wollen die Neubildung des Senats zu einer erneuten Reform nutzen und hat den Antrag zur Anhebung des Schuleintrittsalters im Koalitionsausschuss vorgelegt. "Die auf fünf Jahre vorgezogene Einschulung sollte wieder die Ausnahme werden", sagt BV-Vorsteherin Kathrin Bernikas (CDU). Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion ist Lehrerin. Häufig genug würden Kinder eingeschult, die nicht schulreif seien. Schuld daran seien mangelhafte Einschulungsuntersuchungen.

Schon seit einigen Jahren nutzen Eltern die Möglichkeit, die Einschulung ihres Kindes zu verschieben. 2013 erreichte Marzahn-Hellersdorf einen Rekordwert mit 327 Kindern. In diesem Jahr stieg die Zahl weiter auf 467. Mit 18,1 Prozent liegt sie über dem Berliner Durchschnitt von 16,6 Prozent.

Selbst bei der Linken mehren sich die Plädoyers für noch mehr Flexibilität und Berücksichtigung von Elternwünschen. "Über einen Stichtag lässt sich nicht alles regeln", sagt Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus. Sie warnt jedoch, dass Berlin durch einen späteren Einschulungstermin auf einen Schlag mehrere Zehntausend Kita-Plätze fehlen würden.


Harald Ritter / hari
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