Zahl der Kinder in den Großsiedlungen mit Sprachstörungen wächst weiter

Die Zahl der Kinder mit Sprachdefiziten beim Übergang von der Kita zur Schule wächst weiter. Bei den Einschulungsuntersuchungen 2016/17 wurden für fast 60 Prozent der Schüler Förderempfehlungen ausgesprochen. 

Ein langjähriger Trend im Bezirk setzt sich damit fort. Die aktuellen Zahlen bedeuten im Vergleich zu 2013/14 einen Anstieg um rund vier Prozent. Auch hinsichtlich des sonderpädagogischen Förderbedarfs steigt die Kurve an. Im akutellen Einschulungsbericht gab es eine Empfehlung bei 15,6 Prozent. Der Anstieg zu 2013/14 beträgt hier 2,7 Prozent.

Der Bericht betont auch, dass vor allem bei Kindern aus den nördlichen Gebieten die sprachliche Entwicklung hinterherhinkt. Die Großsiedlungen liegen im Vergleich der Berliner Stadtteile häufig mit auf den letzten Plätzen, die Siedlungsgebiete mit auf den vorderen. Die ungleiche Verteilung der Sprachdefizite fällt bei den Einschulungsuntersuchungen immer häufiger als ein durchgängiges und sich verstärkendes Phänomen auf.

Hinzu kommt, dass die sozialen Voraussetzungen für die Kindesentwicklung in den Großsiedlungen wesentlich schlechter sind. Während in den Siedlungsgebieten zehn Prozent der Kinder in sozial benachteiligten Familien aufwachsen, sind es in den Großsiedlungen 30 Prozent.

Die Reaktionen auf den Bericht fallen im Jugendhilfeausschuss unterschiedlich aus. Der Vorsitzende Steffen Ostehr (Die Linke) verlangt mehr finanzielle Hilfen vom Bund. Der Bezirk erhöhe schon seine Ausaben und habe im Doppelhaushalt 2018/19 für die Familienförderung 100 000 Euro mehr eingestellt. Laut Katharina Günther-Wünsch (CDU) sind Eltern mit geringem Einkommen, schlechten beruflichen Perspektiven und geringerer Bildung oft nicht in der Lage oder bereit, Angebote des Jugendamtes anzunehmen. „Wir müssen Risiken in Familien schneller erkennen“, sagt sie. Dazu sollten Behörden enger zusammenarbeiten. „Wo ein klares Risiko identifiziert wurde, müssen wir der Familie Helfer beiseite stellen“, sagt auch Dimitri Geidel (SPD).

Maria Arlt (AfD) sieht da allerdings die Ämter schlecht gerüstet, beispielsweise die beiden sozialpädiatrischen Zentren des Bezirks. „Wie ich erfahren habe, sind die Wartezeiten für einen Termin sehr lang. Da kann schon mal ein Jahr vergehen, bevor ein Kind Hilfe erhält.“
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