Der Postillon im Posthorn erinnert an die Anfänge der Marzahner Promenade

Ein Postillon im Posthorn ist eine der Bronzefiguren auf der Postschneckenstele auf dem Busbahnhof Marzahn. (Foto: hari)

Auf dem heutigen Busbahnhof Marzahn steht eine Sandsteinsäule. Die meisten Passanten gehen achtlos daran vorüber. Wer aber genauer hinschaut, kommt schnell darauf, worum es sich handelt.

Es ist die sogenannte Postsäule oder genauer die „Postschneckenstele“. Sie wurde 1989 von dem Bildhauer Nikolaus Bode aus Elbsandstein gehauen und mit kleinen Bronzeplastiken ausgestattet. Neben einer Schnecke ist eine berittene Brieftaube zu sehen. Aus einem bronzenen Posthorn ragen die nackten Füße eines Menschen und in einem weiteren ist das Gesicht eines Menschen zu erkennen, der durch Uniform und Mütze sich als historischer Postillon identifizieren lässt. Die Postsäule ist fünf Meter hoch und kann auf dem weiten Platz vor dem massigen Einkaufscenter Eastgate übersehen werden.

Was der Blick auf die Postschneckenstele nicht verrät, ist ihre Verbindung mit der Geschichte des Stadtbezirks Marzahn. Wo heute das Eastgate steht, entstand Ende der 1980er Jahre ein Stück des neuen Marzahner Zentrums, von den Planern in sozialistischer Terminologie „gesellschaftlicher Hauptbereich“ genannt. Dieser bestand hier hauptsächlich aus einem Warenhaus und einer Hauptpost. Später wurde für das Warenhaus der Begriff „Marzahner Tor“ verwendet, um seine Bedeutung als Ortsmarke und Zugang zum Stadtbezirk in menschlichen Worten hervorzuheben. Der erste Teil des Kaufhauses wurde Mitte Februar 1988, also fast genau vor 30 Jahren eingeweiht, das gesamte Gebäude bis Ende des Jahres eröffnet.

Der gesamte Komplex wurde, wie vieles damals in Marzahn, von einem Team unter dem Architekten Wolf-Rüdiger Eisentraut entworfen und geplant. Die ausführenden Architekten Michael Kny und Thomas Weber erinnerten sich in einer Broschüre, die am Anfang dieses Jahres vom Bezirksamt herausgegeben wurde, an die Probleme und Widerstände, auf die sie in der sozialistischen Planwirtschaft stießen. Es gelang immerhin, die vorgesehenen Typenbauten mit viel Kreativität individueller zu gestalten.

Nach der Wende wurde schnell deutlich, dass das Warenhaus für die Erfordernisse der Marktwirtschaft zu klein, der gesamte Komplex zu wenig originell war. Die Flächen wurden völlig neu bebaut. Der Starschuss fiel mit dem Baubeginn für das Le Prom gegenüber im Februar 1998, was heute wiederum fast genau 20 Jahre her ist. Endpunkt war die Eröffnung des Eastgate im September 2005.

Von dem ursprünglichen Ensemble ist nur die Postschneckenstele geblieben, die aber von ihrem ursprünglichen Standort auf den Busbahnhof versetzt werden musste. Die kleinen Figuren werden mitunter als verstecke Kritik ihres Schöpfers an der DDR gelesen, deren Post als notorisch langsam galt. Man kann sie auch allgemeiner als Ironie auf die Vergeblichkeit allen menschlichen Strebens lesen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.