Die erste LPG im Dorf Marzahn

Eine Ecke in der Dauerausstellung des Bezirksmuseums zur Bezirksgeschichte erinnert an den Gemüse- und Obstanbau in Marzahn. (Foto: hari)

Vom letzten Kapitel landwirtschaftlicher Produktion im Bezirk, der LPG,  gibt es kaum noch Zeugnisse oder Bauten.

Die Marzahner Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft wurde am 1. März 1953 im heutigen „Marzahner Krug“, damals eines Konsumgaststätte, als erste LPG in Ost-Berlin gegründet. Es schrieben sich 31 Mitglieder ein, davon waren aber nur fünf Bauern, die meisten ehemalige Landarbeiter. Durch ihre Anwesenheit unterstrichen hohe politische Funktionäre die Bedeutung dieses Vorgangs. Es war zunächst eine LPG des sogenannten Typs I, bei der lediglich die gemeinsame Bearbeitung der Felder vorgesehen war.

1955 wurde die LPG mit dem Namen „Neue Ordnung“ in den vollgenossenschaftlichen Typ III umgewandelt. Zu dem Zeitpunkt hatte sie bereits rund 100 Mitglieder. Diese bauten vor allem Getreide, Kartoffeln, Futterfrüchte und einer Marzahner Tradition entsprechend auch Gemüse auf Freiland und in Gewächshäusern an. Die LPG kämpfte allerdings in den ersten Jahren mit vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sodass die Vorsitzenden mehrfach ausgewechselt wurden.

Die wirtschaftlich stärksten Bauern in Marzahn waren nicht der „Neuen Ordnung“ beigetreten. Sie gründeten unter dem Druck der Zeit und der Politik 1960 die Gärtnerische Produktionsgemeinschaft (GPG) „Frühe Ernte“. Wie schon früher die Marzahner Bauern arbeitete sie wirtschaftlich sehr erfolgreich . „Sie war bis zum Bau der Großsiedlung ein Rückgrat der Versorgung der Ost-Berliner mit Gemüse und auch Blumen“, sagt Heimathistoriker Manfred Teresiak.

1965 wurde die Marzahner LPG mit der LPG in Eiche zusammengeschlossen und bekam den Namen „Edwin Hoerlne“, ein Agrarpolitiker der KPD. 1968 kamen die LPGn Kaulsdorf und Mahlsdorf dazu. 1973 wurden die Betriebe neu zusammengefasst und danach der größte Teil des Marzahner Ackerlandes von der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion Lichternberg/Weißensee bearbeitet.

In Marzahn verblieben, mit Außenstellen und Mahlsdorf und Kaulsdorf, noch die Milch- und Tierproduktion sowie der Anbau von Gemüse, Blumen und Zierpflanzen. 1978 wurde auch die Viehzucht eingestellt. Aus der Gemüseproduktion und der GPG „Frühe Ernte“ wurde dann die LPG Gemüseproduktion „Edwin Hoernle“ gebildet. Sie wirtschaftete bis zur Wende 1989/90 sehr erfolgreich.
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Ralf Drescher aus Köpenick | 28.03.2018 | 21:48  
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