Ein Motorrad in der Fußgängerzone: Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer am Helene Weigel-Platz

Wann? 29.10.2016 11:00 Uhr

Wo? Helene-Weigel-Platz, Helene-Weigel-Platz, 12681 Berlin DE
Berlin: Helene-Weigel-Platz |

Marzahn. Am Springpfuhl wurden 1976 Grundsteine für die ersten Hochhäuser der Satellitenstadt Berlin-Marzahn gelegt. Zwei Jahre später entstand der moderne Stadtplatz des neuen Hauptstadt-Bezirks, ein urbanes Zentrum.

Das Rathaus folgte erst 1988. Mit Phantasie und sehr viel Durchsetzungsvermögen hatte die Architektentruppe um Wolf-Rüdiger Eisentraut bei der Bebauung des Platzes gezeigt, was man mit industriell vorgefertigten Bauteilen – „der Platte“ – alles anstellen kann. Inzwischen steht der ungewöhnliche Rathausbau mit dem alten Bezirkswappen an der Fassade unter Denkmalsschutz. Abriss ist wohl nicht zu befürchten.

Der traf mehrere andere Gebäude in der Umgebung. Filmpalast „Sojus“, bis vor einigen Jahren beliebtes Familienkino, schaffte es nach diversen Wechseln von Eigentümern und Betreibern nicht. Dort sollen nun ein Supermarkt und Pflegeheim entstehen. Die nahe, viel genutzte Schwimmhalle heißt seit September 2005 wieder nach Helmut Behrendt, dessen Büste vom berühmten Bildhauer Wieland Förster nach längerer Abwesenheit im Foyer aufgestellt wurde.

Die Gegend um den Helene-Weigel-Platz wirkt wie eine Freiluftgalerie. So stehen im nahen Springpfuhl-Park große Sandsteinfiguren. Sie stammen von einem Sieben-Länder-Pleinair im Spätsommer 1984 im Schlosspark Biesdorf. Die Werkstatt hieß „Poesie des Lebens“, bis heute eine Anregung für geneigte Parkbesucher.

Über Platz wie Umgebung scheint nach wie vor der Geist der Weigel, gebürtige Wienerin, berühmte Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles zu schweben, mit ihrer Widerborstigkeit und ihrem Talent zum Ausgleich. Symbol dafür ist auch der Stufenbrunnen, dessen bronzene Figuren der Bildhauer Rolf Biebl den Anwohnern nicht als Abbild fröhlicher Harmonie, sondern in schroffer Zuspitzung zumutete.

Das Motorrad daneben bevölkern regelmäßig Kinder. Es ist ein in Bronze übersetzter Stromlinien-Prototyp, der Fahrer eine sturzhelmbewehrte Gliederpuppe im science fiction-Outfit. In der Stadtteilbibliothek „Erich Weinert“ finden sich ebenfalls Plastiken, rund und bunt. Sie stammen von Hans Ticha, der vor allem mit seinen ironischen Kinderbuchillustrationen berühmt geworden ist.

Die 142. monatliche Plätzeführung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am 29. Oktober, 11 Uhr. Treff ist am S-Bahnhof Springpfuhl durch die Unterführung, Ausgang Helene-Weigel-Platz (S7, S75, Straßenbahn M8, Bus 194). BSM

Die Führung ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich am Freitag, 28. Oktober, von 10 bis 12 Uhr unter  887 277 414.
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