Zu Hause zwischen Hochhäusern

Zwischen den Hochhäusern von Marzahn fühlt sich Medina Schaubert am wohlsten. (Foto: hari)

Marzahn. Medina Schaubert gehört zu den jungen Russlanddeutschen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben. Sie ergreift die Chancen, die ihr die neue Heimat bietet.

Auf die Frage, welches Bild ihr von der Ankunft in Deutschland, in Berlin vor 18 Jahren am stärksten in Erinnerung ist, antwortet Medina Schaubert wie aus der Pistole geschossen: „Das ist die Mühle von Marzahn. Als wir daran vorbeifuhren, sagte ich mir, ‚wenn so etwas inmitten von Plattenbauten stehen kann, kann ich mich hier wohlfühlen‘ “.

Und ihr erster Eindruck hat sich in den Jahren gefestigt. Auf die Frage, was heute ihre Heimat ist, hat die heute 28-Jährige wieder eine klare Antwort: „Das ist Marzahn, das ist Berlin. Ich könnte mir nicht vorstellen, jemals woanders zu leben“.

Vorfahren der Familie, Hugenotten aus Frankreich, flohen im 18. Jahrhundert vor der Verfolgung nach Schwaben und schließlich weiter in das russische Zarenreich, dessen Herrscher um deutsche Kolonisten warben. Nach der Oktoberrevolution begann eine erneute Odyssee. Die Familie zog von der Krim an die Wolga um und wurde schließlich während des Zweiten Weltkrieges nach Kasachstan deportiert. Noch Jahrzehnte später spürten die Kinder die Nachwirkungen des Krieges. Von Klassenkameraden wurde ihnen mehr als einmal das Wort „Faschist“ nachgerufen.

Allein schon dadurch war auch die jüngste Generation an ihre Wurzeln gebunden. Die Großeltern pflegten die alte deutsche Mundart, die ganze Familie deutsche Traditionen wie das Weihnachtsfest. „Wir sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Deutschland unsere eigentliche Heimat ist“, erzählt Schaubert.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bot sich die Chance, in die unbekannte alte Heimat zurückzukehren. Medina machte hier das Abitur, wurde Arzthelferin und studiert inzwischen an der TU Berlin Wirtschaftswissenschaften. Nebenbei berät sie Menschen aus Russland und anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion, die sich in Deutschland medizinisch behandeln lassen wollen. Sie engagiert sich bei „Vision“, dem Verein der Russlanddeutschen in Marzahn, und ist im Stadtteil politisch aktiv. Marzahn ist ihr zur Heimat geworden. Sie wohnt zwar momentan in Kaulsdorf. „Aber das ist nur übergangsweise“, sagt sie. Sobald sie eine Wohnung in Marzahn gefunden hat, will sie dort hinziehen. hari
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