Bürgermeister Gerd Cyske erinnert sich an die Gründung vor 35 Jahren

Eine Plakette zum zehnten Jahrestag gehört für Gerd Cyske zu den wichtigsten Erinnerungsstücken an seine Zeit als erster Bürgermeister. (Foto: hari)

Marzahn. Vor 35 Jahren wurde der Bezirk Marzahn gegründet. Einer der wichtigsten Zeitzeugen ist Gerd Cyske, der erste Bürgermeister des Bezirks.

Der 85-Jährige lebt in einer Dreizimmerwohnung in der Poelchaustraße. Aus dem neunten Stock kann er ein gutes Stück "seines" Bezirks überblicken, bis zu den Hochhäusern am Helene-Weigel-Platz.

Cyske war von Anfang an an führender Stelle mit dabei, die gigantische Großsiedlung im Osten Berlins aus dem Boden zu stampfen. Als die ersten Pläne auf dem Tisch lagen, war er Vorsitzender der Kreisplankommission des Bezirks Lichtenberg. Marzahn und Umgebung waren ein Teil des Ost-Berliner Bezirks.

Der frischgebackene Bürgermeister hatte dafür zu sorgen, dass die Bautätigkeit einigermaßen im Einklang mit dem Bezug der Hochhäuser verlief. Es mussten für die Neu-Marzahner rechtzeitig Kaufhallen und Schulen her. Wenn es grundsätzlich klemmte, habe er im Politbüro der SED meist offene Ohren gefunden.

Marzahn war eine der wichtigsten Parteiaufgaben. "Das habe ich brutal ausgenutzt", erinnert er sich. Er bekam beispielsweise ein Extrakontingent an Wohnungen, um Lehrer in den Neubaubezirk zu locken.

Besonders gern erinnert sich Cyske an die Aufbruchsstimmung. Sobald Neubaublöcke frisch bezogen waren, organisierte seine Verwaltung Anwohnerversammlungen. "Da konnte auf einen Schlag alles erledigt werden, von der Schulanmeldung für die Kinder bis zur Bildung von Hausgemeinschaften", erläutert er. Den Aufrufen, an der Gestaltung von Grünanlagen an Wochenenden mitzuwirken, folgten Hunderte von Anwohnern.

Die Gründung des Bezirks datiert offiziell auf den 5. Januar 1979. Zu dem Zeitpunkt war das Rathaus in der Maratstraße 182, wo heute die Musikschule des Bezirks ist. Von einer Feier war nicht die Rede. "Wir bekamen unsere Ernennungsurkunden und das war’s", erklärt Cyske.

Als die Wende kam, wurde Cyske abgesetzt. Auch er hatte als Bürgermeister im Auftrag der SED-Führung im Frühjahr 1989 die Ergebnisse der Kommunalwahlen gefälscht. Er erhielt eine Bewährungsstrafe.

Einige Zeit wurde er von der neuen politischen Elite im Bezirk geschnitten. "Inzwischen werde ich wie jeder bisherige Bürgermeister zu den Jahresempfängen des Bezirksamtes eingeladen", sagt er. Er wurde zum Ehrenmüller der Marzahner Bockwindmühle ernannt. Unter anderem engagiert er sich in dem Verein "Freunde der Gärten der Welt".


Harald Ritter / hari
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