Installationen beschäftigen sich mit Geschichte

Elke Graalfs (links) und Irma Markulin verarbeiten in ihren Installationen die Motive von im Bezirk verschwundenen Gebäuden. (Foto: hari)

Marzahn. In der neuen Ausstellung in der Galerie M setzen sich zwei Künstlerinnen mit verschwundenen Kunstwerken im Bezirk auseinander. Die Zeitreise führt direkt in die Gegenwart.

Ein Kubus mit Bildern in blassen Farben empfängt den Besucher gleich am Eingang. Auf der gegenüberliegenden Seite hängen zwei kleinere, offensichtlich ältere Fotos mit Mutter und Kind in einer modernen Großsiedlung. Wer sich weiter nach rechts traut, blickt in einen Gang, an dessen Ende aus einem Gewirr von strickmaschenartigen Mustern ein Baum zu erkennen ist. Die Installation am Eingang stammt von Irma Markulin. Sie wurde 1982 in Banja Luka geboren, heute Hauptstadt des serbischen Teils der ehemaligen jugoslawischen Republik Bosnien-Herzegowina.

Markulin hat in Berlin studiert und lebt heute hier. "Die kleinen Fotos zeigen meine Mutter und mich als Kind in Banja Luka". Der Kubus ist ein Zitat von Le Corbusier, einem der Begründer der modernen Architektur. Der Kubus hat die Maße zwei Meter mal zwei Meter mal 2,20 Meter. Er gilt als die kleinste mögliche Einheit für einen Raum, in dem Menschen leben können. Er hat etwa die Größe eines Bades in einer Plattenwohnung. Auf die Außenwände hat Markulin die Motive von Wandgestaltungen ehemaliger Kitas in Marzahn gemalt. Die Fassadengestaltung verschwand, als die Kitas abgerissen wurden. Die Farbgestaltung taucht alles in das helle Grau der Erinnerung.

Auch Elke Graalfs lebt in Berlin. Die Mittvierzigerin aus Norddeutschland zitiert mit dem Baum die Wandgestaltung eines ehemaligen Seniorenheims in der Märkischen Allee. Die sorgsam gemalten Maschen wirken auf den Betrachter wie die Teile eines Lebenspuzzles.

Mit Maschen, aber beunruhigend bunt, hat Graalfs einen kleinen Nebenraum ausgemalt. Am Eingang steht "Lucky in - Lucky out". Das ist der Name der neben der Galerie gelegenen Gaststätte. "Da habe ich oft gesessen und mit den Gästen gesprochen", sagt Graalfs. Hier habe sie viel Wut und Frust gespürt, wegen der sozialen Verhältnisse im Kiez, wegen dem, was als verloren gegangen empfunden wird.

Die Installationen unter dem Titel "… und da gehen einem plötzlich die Augen auf" sind noch bis zum 12. Januar zu betreten. Die Galerie M, Marzahner Promenade 46, ist täglich, außer sonnabends, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter www.galerie-mh.de.

Harald Ritter / hari
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