Kunstperformance verblüfft Passanten

Angeleitet vom Choreografen Alessio Travesani zog eine Teilnehmergruppe durch die Straße und vollführte dabei eine gemeinsame Bewegung. (Foto: Schubert)

Marzahn. Von A nach B zu kommen, das kann Kunst sein. Zur Berlin Art Week verwandelte der Choreograf Alessio Trevisani Fußgänger in einen Schwarm und durchquerte mit ihm die belebteste Straße Marzahns. Motto der Aktion: Eine gemeinsame Bewegung.

Es schien ein ereignisloser Nachmittag zu werden - bis diese seltsame Gruppe erschien. Etwa zwölf Personen verschiedensten Alters. Dazu der Künstler Stephan Kurr und ein Choreograf namens Alessio. Gemeinsam unterwegs sein wollten sie, im Auftrag der Galerie M. Aber nicht irgendwie, sondern nach Regeln.Die waren so simpel, dass sie jeder beim Zusehen verstand: Wer ganz vorne steht, macht eine Bewegung vor. Alle anderen in der Gruppe ahmen sie nach. Dreht sich der Führende nach einer Weile um 180 Grad, tun es ihm alle anderen gleich. Und es übernimmt, wer eben noch ganz hinten stand.

So ergriff etwa jede halbe Minute ein anderer Kandidat die Initiative. Und es entstand ein absurdes Schauspiel, das Gelächter, Verblüffen aber auch Unverständnis provozierte. Ein chaotischer Raumgewinn, bei dem jeder Anflug von Zielstrebigkeit gleich verpuffte. Vom Freizeitforum bis zum anderen Ende der Marzahner Promenade verging über eine Stunde.

Als Jüngste im Bunde stapfte die siebenjährige Malvina fünf Mal in Führung, dass ihr rosa Kleid nur so wehte. Gehorsam äffte jeder im Gefolge nach, was auch immer die Führungsperson ersann. Und sei es das Herabrollen von einem Hang. Mal erinnerte der Vorwärtsdrang an Kung Fu, dann an Bodenturnen. Es gab Krebsgang zu sehen, Anbetungsgesten zum Himmel - oder hoch zu Balkonen, verbunden mit dem Ruf: "Los, macht mit!"

Im Pulk hampelten sogar einige schräge Vögel aus Übersee: Zum Beispiel Duskin, ein zotteliger Bursche von Waldron Island, einer Insel im Nordwesten der USA. Er ließ den Plüsch-Pinguin Pengesan, eine Leihgabe seiner Mutter, Teil der Performance werden. Wenn die Gruppe mit den Händen klatschte, klatschte Pengesan mit den Flügeln. Wenn er auf den Schultern Duskins eine Pose einnahm, leisteten die Menschen Folge.

Was die Faszination an der Schwarmbewegung ausmacht? "Wenn alle in eine Richtung schauen, sieht man Dinge, die man allein nicht sieht. Die Sinne arbeiten konzentrierter", erzählt Alessio Trevisani. Und dann ist da noch die Wirkung, die jeder Schwarm erzielt: Er reißt unentschlossene Einzelgänger mit.


Thomas Schubert / tsc
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